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ILEK Chicago Exkursion - Hochhausentwürfe
Die Eindrücke, die die Studierenden auf der Reise gesammelt haben und die daraus enstandenen Hochhausentwürfe findet ihr zusammengefasst in dem PDF anbei. Wir freuen uns über jede Einreichung aus den Arbeiten sowie über Einreichungen anderer Studierender zu unserem nächsten Förderpreis. 20170628_reader_ILEK_final  

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Neue Seilbahn für die Zugspitze

Text: Kirsten Schütz, Stahlbau Nachrichten 01|2017:

Bahnen im Gebirge: Eine neue Seilbahn für die Zugspitze
Ein Projekt der Superlative: Bis Dezember 2017 soll Deutschlands höchster Berg nach drei Jahren Bauzeit eine neue Seilbahn inklusive einer neuen Bergstation bekommen. Engster Raum und extreme Wetterbedingungen machen das Vorhaben zur technischen Meisterleistung von Ingenieuren, Handwerkern und Geologen. Denn: Es gilt, unter komplizierten geologischen Bedingungen einen Bau zu errichten, der dann höchsten Belastungen durch die Nutzung und die extremen Wetter- und Temperaturbedingungen im hochalpinen Klima standhält, und gleichzeitig den Besuchern ein ästhetisches und unvergesslich schönes Erlebnis garantiert.


Gläserne Fassade der Station
© Bayerische Zugspitzbahn | Matthias Fend


Der 50 Millionen Euro teure Neubau wird die 1963 eröffnete alte Eibsee-Seilbahn ablösen, die im April 2017 ausgemustert wird. Grundsätzlich handelt es sich bei der Nachfolgerin der dann 54 Jahre alten Bahn aber um die gleiche Konstruktion – eine Pendelbahn mit Trag- und Zugseil. Auch der Streckenverlauf und die Lage von Tal- und Bergstation bleiben weitgehend gleich.
Aber: Die neue Bahn, die dann Zugspitz-Seilbahn heißen wird, ist gleich dreifache Weltmeisterin: Sie wird über die viereinhalb Kilometer lange Fahrt nur eine Stütze kreuzen. Diese ist mit 127 m weit höher als die rund 100 m hohen Türme der Münchner Frauenkirche und wird damit die höchste Pendelbahnstütze aus Stahl sein. Außerdem überwindet die Seilbahn mit 1.945 m den größten Gesamthöhenunterschied auf der Welt. Und weil es nur die eine Stütze gibt, ist das freie Spannfeld mit 3.213 m gleichzeitig auch das längste der Welt.
Der Eröffnungstermin für die Seilbahn der Superlative steht bereits fest: Am 21. Dezember soll – pünktlich zum Start in die Skisaison – Jungfernfahrt und Einweihung sein. Bei der Berg- und Talfahrt mit der neuen Seilbahn Zugspitze wird dann definitiv das visuelle Erlebnis im Vordergrund stehen. Dank der beiden bodentief verglasten Seilbahnkabinen inklusive Scheibenheizung können Zugspitzbesucher selbst bei schlechtem Wetter die uneingeschränkte Sicht auf den malerischen Eibsee, die Landesgrenze Bayern-Tirol, die markanten Waxensteine sowie die Alpspitze und dahinter das Karwendelgebirge genießen. Auch das Bayerische Schneekar und die schroffen Felsen der Zugspitznordwand rücken zum Greifen nah. An schönen Tagen reicht der Blick sogar bis zum Starnberger See und nach München.

Neue Seilbahn für die Zugspitze

 

Aus der Planung

 

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© ARGE Baucon - Hasenauer Architekten


Allein die Planungsphase für dieses Unterfangen hat drei Jahre beansprucht. Zu den größten Herausforderungen für die neue Touristenattraktion zählen aber nicht nur die Höhenlage und die Wetterbedingungen auf knapp 3.000 m über dem Meeresspiegel, sondern auch die exponierte Lage der Baustelle am Berg sowie das Thema Logistik. Denn im Gegensatz zu Baustellen im Tal muss auf der Zugspitze vom Beton bis zum Stahlträger alles just-in-time angeliefert werden, da die Lagermöglichkeiten nur sehr begrenzt sind. Hinzu kommt, dass die Bauarbeiten zur neuen Seilbahn bis Frühjahr 2017 parallel zum laufenden Fahrbetrieb der bestehenden Eibsee-Seilbahn erfolgen müssen.

Die Eigentümerin der Bahn, die Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG (BZB), setzt dies alles in Bewegung, damit das Reisen für die Besucher komfortabler wird, damit Wartezeiten verringert und Kapazitäten erhöht werden. Die beiden alten Kabinen – eine fährt bergwärts, die andere talwärts – bieten Platz für rund 270 Personen pro Stunde, die neuen hingegen haben eine Kapazität von 580 Passagieren stündlich. Damit werden die bisherigen Wartezeiten für die Besucher von Deutschlands höchstem Berg deutlich reduziert. Und nicht nur das: Ab Dezember können sie ganz neue Ausblicke genießen. Denn der Werkstoff Glas spielt nicht nur bei den neuen Kabinen sondern auch im Architekturkonzept von Hasenauer Architekten Saalfelden eine zentrale Rolle. Bereits in der Talstation hat der Zugspitzbesucher künftig freie Sicht auf den Eibsee und die Zugspitze. In der Bergstation kommen Fahrgäste ab Dezember 2017 in den Genuss vollverglaster Bahnsteige, welche bereits beim Ein- oder Aussteigen panoramareiche Ausblicke ermöglichen. Anders als das alte Bauwerk, das zehn Meter über die Felsenklippe ragt, wird das neue Gebäude 30 m über dem Abgrund hängen. Die gläserne Fassade der Station, gezackt und funkelnd wie die alpinen Gipfel ringsumher, schwebt über dem fast 3.000 m hohen Steilhang im Norden des höchsten Berggipfels Deutschlands. Wie eine schimmernde Krone soll die auf einem schmalen Grad sitzende neue Bergstation künftig weithin sichtbar den Gipfel der Zugspitze überragen – eine statische und bauplanerische Herausforderung. Mit Einblicken in die Seilbahntechnik und einer kühnen Auskragung rund um die von unten ankommenden Seile zeigt das Restaurant ein spektakuläres Bergpanorama in der Nordwand der Zugspitze. Der südliche Abspannbock wird mit einer großzügigen Treppenanlage und einer Terrassenerweiterung kombiniert.

Verantwortlich für die Konstruktion und die bauliche Umsetzung der Fassadenpracht der neuen Bergstation ist das Unternehmen Stahlbau Pichler aus Südtirol. Im Herbst 2014 fiel der Startschuss für die Baustelleneinrichtung auf Deutschlands höchster und wahrscheinlich spektakulärster Baustelle.

Bild links: Besuch der spektakulären Baustelle v.l. Dipl.Ing. Peter Huber - BZB,
Walter Pichler-Stahlbau Pichler, Dipl. BW Matthias Stauch - BZB

Bild rechts: Baustelle in 3000 m Höhenlage
© Stahlbau Pichler


Sie liegt ohne Zufahrtsmöglichkeiten unmittelbar neben dem Gipfelkreuz und wartet aufgrund der Kälte mit erschwerten Arbeitsbedingungen auf, die beispielweise eine tägliche Enteisung der Kräne notwendig machte. Zunächst standen die aufwändige Montage des ersten Baukrans und die Errichtung der für die Logistik am Berg unabdingbaren Materialseilbahn auf der Agenda. Zeitgleich ging es an die Spreng- und Felsabtragarbeiten sowie an die Vorbereitung der Fundamente für die Tragseiltürme. Während der Winterpause wurden ab Januar 2016 die ersten Vorbereitungen für die Errichtung der beiden Druckriegel getroffen. Diese Spannbetonbrücken verbinden die beiden Tragseiltürme auf der Nordseite der neuen Bergstation mit dem Rückspannbauwerk im Süden und verlaufen durch das bestehende Bergstationsgebäude. Mittels dieser werden die nach Norden wirkenden Kräfte nach Süden in den Fels geleitet. Mitte März startete Deutschlands höchste Baustelle dann ins neue Baujahr. Bei Wiederaufnahme der Arbeiten stellten sich Schneeschaufel, Bagger und Schneefräse einmal mehr als wichtigste Arbeitsgeräte in dieser Höhenlage heraus. Nachdem das Baufeld Bergstation von den Schneemassen der Wintersaison 2015/2016 befreit war, ging es mit den Arbeiten an den beiden Tragseiltürmen im Norden und am Rückspannbauwerk im Süden weiter. Im April 2016 begannen dann auf der Zugspitze die Stahlbauarbeiten und im Oktober konnte mit der Fassadenumsetzung begonnen werde. Bevor allerdings die Monteure, Baukräne und der Raupenkran auf dem Berg ihre Arbeit verrichten konnten, wurden die Stahl- und Fassadenelemente an der Talstation vormontiert und dann mittels Materialseilbahn zur Baustelle transportiert.

Bis zum Ende der Bauzeit sind rund 400 Materialfahrten eingeplant. Bei der Stahlbauumsetzung auf der Südseite wurden die Stahlstützen eingerüstet, während bei den Arbeiten auf der Nordseite ein Rollgerüst verwendet wird. Aufgrund der alpinen Höhe von 2.960 m findet die Umsetzung vor allem am Nordteil über dem steil abfallenden Bergmassiv statt und fordert die Monteure damit sowohl physisch als auch psychisch. Wenn die Bergstation im Dezember eröffnet wird, werden insgesamt rund 850 t Stahl verarbeitet und 5.300 m. Fassade umgesetzt sein. Die fertige Station wird über drei Ebenen samt Gastronomie zur Bewirtung der Gäste sowie eine Gipfelterrasse mit Rundum-Panoramablick verfügen, einen Zugang zum Münchner Haus und zur benachbarten Tiroler Zugspitzbahn haben und: großen und kleine Gipfelstürmer ein atemberaubendes Bergpanorama mit spektakulärem Rundumblick bieten.


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Bauherr
Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG

Bauherrenvertreter für die Generalplanung
Planungsgemeinschaft
BauCon ZT GmbH – Hasenauer.

Architekten
ZT GmbH – AIS Bau und
Projektmanagement GmbH

Architekt
Hasenauer Architekten, Salzburg

Stahlbau
Stahlbau Pichler GmbH, Bozen

Seilbahnbau
Garaventa AG, Schweiz

Statik
Baucon, Salzburg

Betonbau
GEO ALPINBAU GmbH, Tirol