Johanna Chiessi
Leiterin Kommunikation
Stahlbau Verlag Shop

ILEK Chicago Exkursion - Hochhausentwürfe
Die Eindrücke, die die Studierenden auf der Reise gesammelt haben und die daraus enstandenen Hochhausentwürfe findet ihr zusammengefasst in dem PDF anbei. Wir freuen uns über jede Einreichung aus den Arbeiten sowie über Einreichungen anderer Studierender zu unserem nächsten Förderpreis. 20170628_reader_ILEK_final  

Deutscher Stahlbau. Gut beraten.Deutscher Stahlbau. Gut beraten.

Wahlprüfsteine 2017 Kreislaufwirtschaft und Ressourcenwende

Knapp 60% aller Abfallmaterialien können in Deutschland dem Bau- und Immobiliensektor zugeordnet werden. Deswegen müssen in diesem Gebiet Ressourcen verantwortungsvoller und effizienter genutzt werden. Wiederverwendung und hochwertiges Recycling von Baustoffen muss bevorzugt werden. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) sieht ab 2020 für Bau- und Abbruchabfälle eine Wiederverwendungs-, Recycling- und Verwertungsquote von 70 Gewichtsprozenten vor. Dieses Ziel wurde aus der europäischen Abfallrahmenrichtlinie übernommen und in Deutschland mit einer kontinuierlichen Verwertungsrate von fast 90 % in den vergangenen 15 Jahren bereits deutlich überschritten. Der hier verwendete Überbegriff „Verwertung“ lässt dabei allerdings sämtliche Entsorgungsarten außer der Deponierung und Verbrennung zu und stellt daher keine hohe Anforderung an eine wirkliche Kreislaufwirtschaft. Die Bau- und Immobilienbranche ist aufgrund ihres hohen Rohstoffbedarfs und des großen Abfallaufkommens ein wichtiges Handlungsfeld, um durch hochwertiges Recycling Ressourcen verantwortungsvoll und effizient zu nutzen.

A1. Halten Sie es für sinnvoll, die festgesetzte Quote differenzierter zu betrachten, und beispielsweise konkrete Zielwerte für ein hochwertiges Recycling von Baustoffen vorzusehen?

CDU/CSU haben ihre Antwort zu den Fragen A 1-3 in einem Text abgegeben

Ressourcenschonung ist eine zentrale umwelt- und wirtschaftspolitische Herausforderung, gerade für ein hochindustrialisiertes Land wie Deutschland. Dieses politische Leitbild hat dazu beigetragen, dass sich die Recyclingbranche zu einem dynamischen und innovativen Wirtschaftsbereich entwickelt hat. Recyclingtechnologien „Made in Germany“ sind heute weltweit gefragt und technologisch führend. Dazu hat auch die stetige Weiterentwicklung des rechtlichen Rahmens in Deutschland geführt. Für ein rohstoffarmes Land wie Deutschland bleibt das Schließen von Stoffkreisläufen im Zentrum der umwelt-, aber gerade auch der wirtschaftspolitischen Tagesordnung.

Der Bausektor gehört in Deutschland und weltweit zu den ressourcenintensiven Wirtschaftssektoren. Die Bauwirtschaft leistet bereits heute einen großen Beitrag zur Ressourcenschonung durch Wiederverwertung und das effiziente Recycling von Bauabfällen. Eine Recyclingquote von mehr als 90 Prozent bei den mineralischen Abfällen zeigt dies sehr deutlich. Die Bauindustrie trägt auch ihren Beitrag zum Umweltschutz bei. Auf freiwilliger Basis wird mit Umweltproduktdeklarationen die Markttransparenz auch auf Ebene der Bauprodukte verbessert, um Planern die Möglichkeit zu geben, Ressourcenaspekte bereits früh im Planungs- und Bewertungsprozess zu berücksichtigen. Wettbewerbliche Lösungen bieten die beste Gewähr für qualitativ hochwertige und für den Bürger und die Wirtschaft günstige Entsorgungslösungen. Die anspruchsvollen abfallpolitischen Vorgaben und der Wettbewerb sind die Treiber für Deutschlands weltweite Vorreiterrolle bei der Kreislaufwirtschaft und als international führender Anbieter von Entsorgungstechnologien. Dieses erfolgreiche System muss angesichts der wachsenden globalen Nachfrage nach Rohstoffen ausgebaut werden.

Die Branche hat sich auch dank des dynamischen politischen Rahmens, der auf die Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft ausgerichtet ist, aber gerade angesichts einer weltweit steigenden Nachfrage nach Rohstoffen und mit entsprechenden Preissignalen, insbesondere bei speziellen Mangelrohstoffen positiv entwickelt.

Die heutigen Produktionsweisen und Produktgestaltungen müssen noch stärker an der Idee des Stoffkreislaufes ausgerichtet werden. Ziel ist es, mehr Wertstoffe zu recyceln, und so Primärrohstoffe, die häufig teuer importiert werden müssen, einzusparen und für eine umweltgerechte Entsorgung der Reststoffe zu sorgen. Angesichts der Rohstoffknappheit unseres Landes können wir es uns schlichtweg nicht leisten, wertvolle Rohstoffe zu entsorgen, statt sie in den Wirtschaftskreislauf zurückzuführen.

Ein wichtiges Instrument einer Kreislaufwirtschaft ist die konsequente Anwendung und auch Ausweitung der Produktverantwortung. Nur wenn die Kosten für die Entsorgung durch den Produkthersteller getragen werden müssen und damit Teil des Produktpreises werden, besteht ein wirklicher Anreiz, Produkte abfallarm bzw. recyclingfähig herzustellen. Bei Verkaufsverpackungen, Elektro- und Elektronikgeräten, Autos und Batterien haben wir dieses Prinzip bereits umgesetzt.

SPD

Nach unserer Auffassung reichen höhere Sammel- und Recycling-Quoten allein nicht aus, um die Ressourceneffizienz weiter zu verbessern. Hierfür sind u.a. auch Vorgaben zur Herstellung ressourcenschonender Produkte, zur stofflichen Verwertung und zur Abfallvermeidung sowie die Schaffung von Anreizen für Innovationen und Investitionen in die Recyclingtechnologie notwendig. Für mineralische Abfälle bzw. den daraus zu entwickelnden Produkten gilt es, bestehende Absatzwege auszubauen und neue Absatzwege zu erschließen. Zu diesem Zweck schafft die Mantelverordnung Ersatzbaustoffe/Bodenschutz erstmals bundeseinheitliche und rechtsverbindliche Grundlagen für das Recycling mineralischer Abfälle und deren Einsatz in technischen Bauwerken. Damit soll die Akzeptanz mineralischer Ersatzbaustoffe verbessert und Potenziale zur Steigerung des Recyclings gehoben werden. Auch das Deutsche Ressourceneffizienzprogramms II sieht u.a. eine deutliche Erhöhung des Einsatzes von Gesteinskörnungen als Betonzusatzstoff sowie die Stärkung des Gipsrecyclings sowie verstärkte Anstrengungen für den Einsatz von recycelten Gesteinskörnungen im Hoch- und Tiefbau vor.

Mit der sog. Mantelverordnung und der novellierten Gewerbeabfallverordnung werden Recycling und Verwertung von Bauabfällen gestärkt. So werden mehr Bau- und Abbruchabfälle vorrangig der Vorbereitung zur Wiederverwendung und dem Recycling zugeführt. Die Getrenntsammlung basiert auf dem Gedanken, dass es aufwändig und kostenintensiv ist, wertstoffhaltige Abfälle für einen Recyclingprozess zu generieren, wenn diese in Gemischen anfallen.

Bündnis 90/Die Grünen

Ja, ein erster Schritt wurde mit der novellierten Gewerbeabfallverordnung geschafft und kann mit der sogenannten Mantelverordnung fortgesetzt werden, wenn diese sachgerecht die Belange des Ressourcenschutzes berücksichtigt. Wir haben uns bei der Gewerbeabfallverordnung für eine deutlichere Stärkung der Vorbereitung zur Wiederverwendung und dem werkstofflichen Recycling gegenüber der energetischen Verwertung eingesetzt. Zumindest die Ausnahmen bezüglich der Sortierquote hätten wir gerne abgebaut und die Unterschreitung der Sortierquote auf bis zu 10 Prozent auf bis zu zwei Monaten des Kalenderjahres beschränkt. Auch eigenständige und deutlich ambitioniertere Recyclingquoten für die verschiedenen Abfallfraktionen haben wir gefordert. Wir hatten gefordert, dass spätestens ab 2025 dynamische und selbstlernende Recyclingquoten gelten. Dann würde sich die Höhe der zu erfüllenden Recyclingquoten für die Folgejahre automatisch an den besten Recyclingergebnissen der Vorjahre orientieren. Ohne politische Intervention würden sich dann die Quoten selbstständig an den technischen Fortschritt in der Recyclingbranche anpassen und so noch zusätzlich als ein Förderprogramm für weitere Innovationen in der Recyclingbranche wirken.

Zu all diesen konkreten Verbesserungsvorschlägen haben wir einen Entschließungsantrag in den Umweltausschuss eingebracht, um aus einer notwendigen eine gute, angemessene Gewerbeabfallverordnung zu machen.

DIE LINKE

Ja. Der Begriff der „Verwertung“ von Abfällen ist irreführend, nicht nur bei Bauabfällen. DIE LINKE kritisiert die Ressourcenpolitik der Bundesregierung seit Jahren wegen mangelnder Visionen und Engagement bei der echten Wiederverwendung von Primär-, aber auch von Sekundärressourcen hin zu einer echten Kreislaufwirtschaft. Eine klare Differenzierung von Verwertungsquoten gegenüber echtem Recycling wäre ein erheblicher Schritt, erst einmal Transparenz über tatsächlich nachhaltig geführte Ressourcen zu erhalten. Konkrete Maßnahmen zur Verbesserung des Recycling, beispielsweise bei der Wiederverwendung von Bauabfällen als RC-Baustoffe, wo es offensichtlich an Kenntnis über die Einsatzmöglichkeiten und deren Vorteile gegenüber Baustoffen aus Primärressourcen fehlt, sehen wir bei der öffentlichen Vergabe. Hier wäre beispielsweise eine verpflichtende Quote über die Verwendung von RC-Baustoffen sinnvoll.

FDP

Eine höhere Recyclingquote kann nur dadurch erreicht werden, dass die Menschen die Vorteile des Recycelns erkennen und eine Entsorgung zur Wiederverwertung genauso einfach ist wie das Wegwerfen der Produkte. Neue Gesetze oder Verordnungen sind nur dann sinnvoll, wenn sie das System für alle Seiten wirksam vereinfachen und verbessern. Grundsätzlich setzen wir uns dafür ein, dass die Verordnungen zu den einzelnen Abfallströmen – dies betrifft Siedlungsabfälle genau wie die mengenmäßig wichtigen Gewerbe- und Bauabfälle – mit dem Ziel überarbeitet werden, anspruchsvollere Recyclingquoten festzusetzen.

 

A2. Sind Sie der Meinung, dass Bauprodukte mit nachhaltigen Entsorgungswegen, d.h.  mit hochwertigem Recycling, stärker gefördert werden sollten?

SPD

Mit dem Klimaschutzplan 2050 soll u.a. auch das nachhaltige Bauen gestärkt werden. Wir wollen prüfen, ob und inwieweit künftig Anreize geschaffen werden können, um den Einsatz nachhaltiger Bau- und Dämmstoffe zu stärken. Instrumente zur stärkeren Einbeziehung des gesamten Lebenszyklus von Baumaterialien sollen überprüft werden. Wir wollen Hemmnisse für den Einsatz von langlebigen Bauprodukten abbauen. Das Deutsche Ressourceneffizienzprogramm sieht ebenfalls vor, den Einsatz von Bauprodukten aus nachwachsenden Rohstoffen zu stärken. Darüber hinaus wollen wir alternative nachhaltige Baustoffe etablieren, um so auch die Entsorgungskosten zu senken. Bauverfahren sollten sich stärker an Wiederverwendung und Recyclingfähigkeit der Materialien orientieren.

Bündnis 90/Die Grünen

Ja, wir wollen, dass immer mehr Primärprodukte durch Recyclingprodukte ersetzt werden.

DIE LINKE

Grundsätzlich sollte, ganz im Sinne der Produktverantwortung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, jegliches wiederverwendbare oder sehr gut recyclebare Produkt Marktvorteile gegenüber anderen Produkten besitzen. DIE LINKE. schlägt zu diesem Zweck beispielsweise die Einführung einer Ressourcenabgabe vor, die auf den Einsatz von Primärrohstoffen in Produkten erhoben wird. Produkte aus Sekundärrohstoffen könnten so erheblich bessergestellt werden und die Nachfrage nach Recyclingprodukten ankurbeln.

FDP

Wir Freie Demokraten halten eine recyclingfreundliche Produktgestaltung für sehr wünschenswert. Je mehr und je einfacher ein Produkt recycelt werden kann, desto besser ist es. Mit marktwirtschaftlichen Anreizen wollen wir dafür sorgen, dass möglichst viele Recyclingprodukte an die Stelle von zumeist energieaufwändig hergestellten Produkten aus Primärrohstoffen treten können. Denkbar ist auch die Einführung eines freiwilligen Recyclinglabels, das die Wiederverwertbarkeit und den Einsatz von Recyclingrohstoffen in Produkten ausweist.

 

A3. Wir befinden uns mitten in der Energiewende, durch Energieeinsparungen und nachhaltige Energieversorgung wollen wir die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern erreichen. Der nächste Schritt ist eine Ressourcenwende – hochwertiges Recycling muss die Abhängigkeit von natürlichen Ressourcen und die Anhäufung von großen Abfallmengen stoppen. Setzen Sie sich für eine Ressourcenwende ein? Wann erwarten Sie das Erscheinen auf der politischen Tagesordnung?

SPD

Seit Jahren setzen wir uns konsequent für die Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft und für die Verringerung des Ressourcen- und Materialverbrauchs zum Schutz von Umwelt und Klima ein. Dies ist auch angesichts endlicher natürlicher Rohstoffe, zunehmend erschwerter Abbaubedingungen, handelsverzerrender Ressourcenpolitiken sowie absehbarer Preis- und Verteilungskonflikte unabdingbar. Die Verringerung des Rohstoff- und Materialverbrauchs ist für uns eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit und birgt gleichzeitig große Chancen. Für Unternehmen ist ein möglichst geringer Energieverbrauch und sparsamer Umgang mit Rohstoffen eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Die Steigerung der Ressourceneffizienz steigert die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, schafft neue Arbeitsplätze und sichert nachhaltig Beschäftigung.

Die Ressourcenwende ist im Gang und im politischen Alltag angekommen. In der zurückliegenden Legislaturperiode haben wir die Sammlung und das Recycling u.a. für Verpackungen, Batterien, Elektroaltgeräte sowie für Gewerbe- und Bauabfälle verbessert. So verbleiben Wertstoffe länger im Wirtschaftskreislauf und unsere natürlichen Ressourcen werden geschont. Mit dem Deutschen Ressourceneffizienzprogramms (ProgRess) hat sich Deutschland als einer der ersten Staaten auf Leitideen und Handlungsansätze zum Schutz der natürlichen Ressourcen festgelegt. Mit ProgRessII wurde u.a. ein neuer wirtschaftlicher Indikator „Gesamtrohstoffproduktivität“ eingeführt, der eine methodische Verbesserung gegenüber dem bisher verwendeten Indikator „Rohstoffproduktivität“ darstellt.

Uns ist jedoch bewusst, dass nur eine globale Ressourcenwende entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von der Rohstoffgewinnung bis zum Recycling, die Erreichung von Klimaschutz- und Nachhaltigkeitszielen sicherstellt. Hierfür werden wir uns weiter einsetzen.

Bündnis 90/Die Grünen

Der Beginn der Ressourcenwende ist de facto durch die 5-stufige Abfallhierarchie eingeleitet worden. Es ist nun Zeit, diese auch so zu benennen und politisch in allen Bereichen umzusetzen und voranzutreiben.

DIE LINKE

Die Forderung nach einer Ressourcenwende ist Teil unserer umwelt- und sozialpolitischen Agenda. Der Linken geht es bei Ressourcenschutz selbstverständlich um den nachhaltigen Umgang mit dem Planeten, aber auch um die Vermeidung von bewaffneten Konflikten und sozialer Ausbeutung in den Regionen, aus denen sogenannte Konfliktrohstoffe stammen. Die Bundesregierung gibt mit ihrem Ressourceneffizienzprogramm „ProgRess“ vor, sich der Frage der Ressourcenwende permanent zu widmen. Wir kritisieren dabei regelmäßig die Substanzlosigkeit dieses Papiers, das zu viele Absichtserklärungen enthält, zu viel auf Freiwilligkeit setzt und sich den desaströsen Auswirkungen des Primärressourcenverbauchs sowohl ökologisch als auch sozial nicht konsequent stellt. DIE LINKE setzt sich deshalb für ein rigoroses Umdenken bei dem Umgang mit Rohstoffen aus.

FDP

Wir Freie Demokraten haben aus ökologischen wie ökonomischen Gründen den Wandel von der Abfallwirtschaft zur Kreislaufwirtschaft von jeher unterstützt. Dabei setzen wir auf „blaues“ Wachstum, weil Ökologie und Wachstum sich nicht ausschließen müssen. Wir wollen Klima, Umwelt und Ressourcen intelligent schützen – durch innovative Technologien und effektive Produktionsprozesse. Es geht nicht nur darum, weniger wegzuwerfen, sondern mehr wiederzuverwenden. Das eröffnet auch Schwellenländern bessere Chancen im Hinblick auf Wachstum und wirtschaftlichen Wohlstand.