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TURMTÄNZER, Klettern am Hafen in Münster

Lea-Anna Zora mit Anne-Sophie Weißhuhn | Fachhochschule Münster

Abb.: Weißhuhn | Zora

STANDORT
Der Hafen in Münster hat sich in den letzten Jahren zu einem attraktiven und lebenswerten Teil der Stadt entwickelt. Das nördliche Hafenbecken pulsiert mit seinen vielfältigen Nutzungen über den ganzen Tag hinweg. Eine gehobene Gastronomie, zahlreiche Architekturbüros sowie ein Kunstspeicher sind hier heimisch. Das junge lebendige Viertel zieht mit seinem eigenen Charme  Besucher und andere Stadtteilbewohner in ihrer Freizeit und besonders an warmen Tagen an.



Abb.: Weißhuhn | Zora

Der südliche Teil des Hafenbeckens hingegen ist mit seinem Industriecharakter ein großer Gegensatz. Die Tendenz geht aber auch hier zur Umnutzung der alten Gebäude über.  So befindet sich der Flechtheimspeicher zum heutigen Zeitpunkt in der Umbauphase für das Borchert Theater Münster.

IDEE
Die südliche Hafenkante wird durch einen öffentlichen Kletterturm und einem  gestalteten Park ergänzt. Das Areal bekommt durch seinen freien und erholsamen Charakter einen  öffentlichen Raum, der für die Bewohner der Stadt und seinen Besuchern zur Verfügung steht. Der Kletterturm siedelt sich an der südlichen Hafenspitze an und schließt damit den Hafen mit einer markanten und von weiten sichtbaren Geste ab. Der Außenbereich wird mit einer stufenartigen Landschaft ergänzt, die zum Verweilen, erholen oder einfach nur zum Sitzen einladen. Der Platz zwischen Kletterturm und Funktionshaus wird als Begegnungsstätte gesehen. Desweiteren befindet sich im Außenbereich für Kinder ein Kletterparadies.


Abb.: Weißhuhn | Zora


ZIELSETZUNG
Die einseitige nördliche Aktivität des Hafens soll mit der öffentlichen Nutzung im südlichen Teil des Hafens durch einen Kletterturm eine Belebung für das ganze Hafenbecken bewirken. Die Kluft zwischen den gegensätzlichen Seiten soll positiv entschärft werden und der Gemeinschaft zur Verfügung stehen.

Die Architektur bildet die Basis für die Funktion und soll nicht im Vordergrund stehen, der Benutzer soll sich das Gebäude zu eigen machen und es auch als solches sehen. Die Architektur ermöglicht dem Benutzer im Mittelpunkt zu stehen und soll wie selbstverständlich das Gerüst für seine Funktion sein.

RAUMKONZEPT
Bei der Raumkonzeption war es wichtig eine vielfältige und damit spannende Kletterwelt im In-Door und Out-Door Bereich zu ermöglichen. Dabei ist es wichtig eine große Zielgruppe zu erreichen. Das Spektrum der unterschiedlichen Kletterrouten bietet Bereiche für, Anfänger, Freizeit, Kinder und  Profikletterer an. Unterschiedliche Kletterstile wie, Freiklettern, Sportklettern oder Top- Robe ermöglichen Wettkampf- und Freizeitbedingungen. Kletterzubehör kann in einem dazugehörigen Ausrüstungsladen gekauft oder geliehen werden. Ein Schulungsraum steht interessierten Kletterern und Gästen zur Verfügung. Umziehkabinen und Toiletten sind ebenfalls in die Planung integriert. Für den Besucher allgemein ist in der obersten Etage ein öffentliches Café geplant, welches eine Aussicht auf ganz Münster und Umgebung ermöglicht.

GESTALTUNG
Bei der Formfindung des Turmes halfen eine Vielzahl von schnellen Papiermassenmodellen. Der Turm erscheint in seiner schlussendlichen Kubatur wie ein großes überdimensionales Segel und strahlt mit seiner geschwungenen Formation Verankerung und Ruhe aus. Die unterschiedlichen Kletterzonen sollen durch Sichtbezüge mit allen Ebenen im Gebäude ein einheitliches Element ergeben. Mit einer einladenden Geste wird man in das Innere des Turmes geleitet, wo sich das Innenleben des Turmes eröffnet.  Das Segel wird je nach Wettersituation immer wieder neuartige Formensprachen ermöglichen und das Erscheinungsbild immer wieder neu lebendig wirken lassen.

KONSTRUKTION
Das Dreieck welches von sich aus eine Aussteifung erlang bildet die Grundlage für die Konstruktion. Das zweischalige Segel wird durch eine Addition von Fachwerkstäben und Kugelknoten gebildet. Untereinander sind die Segel mit Fachwerkstäben verbunden und bilden so ein Raumfachwerk, welches für die Benutzer ein ideales Klettererlebnis ermöglichen . Das Segel wird am Kopf in eine vorgefertigte Stahlkonstruktion eingehängt und am Fußpunkt durch ein Kugellager gelagert. Die äußeren Kletterwände sind mit perforierten Cortenstahlelementen versehen, so dass eine natürliche Belichtung im Inneren des Kletterturmes möglich ist. Die Klettersteine werden in die Pfosten- und Riegel Konstruktion integriert.


Abb.: Weißhuhn | Zora


NACHHALTIGKEIT
Mit dem Schwerpunkt verschiedene und abwechslungsreiche Kletterrouten zu ermöglichen, war es Ziel eine neue visionäre konstruktive Lösung zu finden. Mit Sicht in die Natur ergaben sich die Vorbilder. Mit Hilfe von Sonnenenergie soll die flexible Verformung des Segels möglich sein. Dafür haben sich zwei Zukunftsvisionen entwickelt.

Vision 1 mit Farbe und Material

Durch einen weißen und schwarzen Anstrich an der Schatten- und Sonnenseite der Konstruktion kann eine Dehnung im Material bewusst erlagt werden. An Schattenseiten wird ein Material mit geringer Verformung gewählt [Stahl], an Sonnenseiten dementsprechend Materialien mit einer maximalen Verformung [Kupfer].

Vision 2 Solarzellen

Um eine maximale flexible Konstruktion zu erwirken, werden in die Fachwerkstäbe Solarzellen integriert. Das System wird beweglich durch Sonneneinstrahlung und ist damit wetterbedingt verformbar. Durch die Sonneneinstrahlung schieben sich die Stäbe auseinander und machen die Konstruktion zu einem gestalterischen Element.



Semesterarbeit
Anne-Sophie Weißhuhn | Lea-Anna Zora

Fachhochschule Münster
betreut durch
Prof. Dipl.-Ing. Johannes Schilling