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2. Preis Fernbus-Terminal Berlin West Christopher Rotman mit Niklas Roth

RWTH Aachen

2. PREIS

Erläuterungsbericht von Christopher Rotman und Niklas Roth zur Einreichung zum
'Förderpreis des Deutschen Stahlbaues 2018'

Verkehr, Transport, Infrastruktur und Mobilität sind sowohl wesentliche Bestandteile unseres volkswirtschaftlichen Wohlstandes, als auch wichtige Pfeiler unseres individuellen Komforts und Wohlbefindens. Mobilität erlaubt einen Wechsel des Ortes und ist somit unverzichtbar für Selbstbestimmung, Entwicklung und Ausdruck des Individuums. Die Zugänglichkeit räumlich entfernter Ressourcen und damit verbunden ein möglichst reibungsloses Funktionieren von Verkehr ist also für jeden von uns von großem Wert. Ein weiteres zentrales Bedürfnis des Individuums ist das Wohnen. Berlin als wachsende Stadt braucht Wohnraum für jene, die sind und für jene, die kommen.

© Christopher Rotman

- Städtebau und Masterplan -
Entlang dieser beiden Feststellungen wurde der Entwurf erarbeitet. Der nördlich angrenzende Berliner Blockrand erhält Einzug auf den westlichen Teil des Baufeldes und schließt die bauliche Flucht gegenüber der Messe am Übergang der Masurenallee zur Neuen Kantstraße. Das existierende Hotel an der Kreuzung Messedamm/Masurenallee wird als einziger Baukörper erhalten. Es positioniert sich städtebaulich klar zur Messe und ist dank der unmittelbaren Proximität zu dieser gut ausgelastet. Der Block des Hotels ist der großmaßstäblichste der vier neuen Blöcke. Er schafft den Übergang vom Wohnen im Norden zu den besonderen Typologien im Süden (ICC, Messe, Haus des Rundfunks). Neben dem Hotel umfasst er ein Hochhaus, das Büronutzung vorsieht, sowie einen Sockel, der Gewerbe und die Lobby des Hotels aufnimmt. Die drei weiteren Blöcke sind dem Wohnen gewidmet. In ihren Dimensionen reagieren sie auf die nördlich angrenzende Berliner Blockrandbebauung.

- Verkehr -
Der Zentrale Omnibusbahnhof wird auf die Verschnittfläche zwischen der A100, dem Zubringer Kaiserdamm Süd und dem Messedamm verlegt. Dadurch entsteht eine unmittelbare Nähe zur S-Bahn-Haltestelle Messe Nord und eine Einbettung in eine Insel des immer-fließenden Verkehrs. Die Stadtkante entlang der A100 wird geschlossen. Zwischen A100 und dem neuen Terminalgebäude verbindet ein Fußgänger- und Radweg die Gebiete der Messe und des ICC mit den nördlichen Quartieren um den Kaiserdamm. Der Fernbusverkehr erreicht den ZOB aus südlicher Richtung. Von der Ausfahrt Kurfürstendamm gelangen die Busse über den Messedamm zum Terminal. Eine parallel verlaufende Straße ermöglicht die Anfahrt der zehn im Erdgeschoss gelegenen Halteplätze. Die Abfahrt der Busse findet im Untergeschoss statt. Ein Anschluss an die bestehende Ausfahrt des ICC ermöglicht sowohl Abfahrten auf den Messedamm in nördlicher Richtung, als auch auf die A100 richtung Süden.

© Christopher Rotman

- Entwurf -
Der Entwurf des Fernbus-Terminals verfügt sowohl in Längs- als auch in Querrichtung sowie in der Vertikalen über eine starke Gliederung und entwurfsbestimmende Ordnung.

In Längsrichtung unterteilt er sich in Aufzugs-, Zustiegs-, bzw. Wartemodule (A) und Erschließungsmodule (B). Innerhalb der Aufzugs- bzw. Zustiegsmodule besteht eine Unterteilung in Querrichtung. Hier gibt es (westlich) eine Schicht, die dem Transport der Busse durch das Gebäude vorbehalten ist (3). In der mittleren Schicht findet die Begegnung, bzw. Trennung von Bus und Passagier in den Zustiegsberiechen (2) statt. Die östliche Schicht (1) ist dem Warten und der Bewegung gewidmet. In der Vertikalen gliedert sich das Terminal in Ankunftssteige im Erdgeschoss, Abfahrtssteige in den Obergeschossen und der Technik auf dem Dach. Im Untergeschoss findet die Zubringung der Busse wahlweise auf die Autobahn A100 oder den Messedamm statt.

Funktion -
Im Gegensatz zu beispielsweise einem Kulturbau stehen bei einem Verkehrsbau funktionale Anforderungen im Vordergrund. Kurze Wege, angemessene Dimensionierung, Ökonomie, Übersichtlichkeit und Ordnung werden zu zentralen Begriffen im Entwurf. Während die Busse das Gebäude auf seiner Westflanke erreichen, verlässt und betritt es der Reisende im Osten, Richtung Stadt. So ist das Gebäude in seiner Funktion eindeutig zweigeteilt. Die östliche Seite dem Passagier, die westliche dem Bus. 16 Halteplätze im Erdgeschoss ermöglichen ein schnelles Aussteigen und Verlassen des Terminals. Da Aussteigen und Entladen des Busses deutlich weniger Zeit in Anspruch nimmt als Ticket- und Identitätskontrolle, Beladen und Einsteigen gibt es eine deutliche Differenz zwischen

Ankunfts- und Abfahrtssteigen. 64 Abfahrtssteige befinden sich auf vier Obergeschossen, die von den Passagieren über drei Fahrtreppenanlagen und sechs großzügigen Aufzügen erschlossen werden. Großzügige Wartebereiche auf allen Abfahrtsebenen bieten einen Ausblick auf das Schauspiel des immer-fließenden Verkehrs, ankommende und abfahrende Züge und in den oberen Geschossen auf das Stadtzentrum am Horizont. Den Abfahrtssteigen vorgelagert findet die Ticketkontrolle, ähnlich wie beim Boarding am Flughafen statt. Der eigentliche Boarding-Bereich (Fahrsteig) ist von den Wartebereichen getrennt und wird nur unter der Anwesenheit von Personal vom Reisenden betreten. Der Platz zwischen den Wartebereichen, innerhalb der Erschließungszonen, ist der Information vorbehalten. Hier können die Berliner Verkehrsbetriebe, der Betreiber des Terminals, die Organisation und die Busunternehmen Infoschalter oder Büros einrichten.

Technik -
Die Busse erreichen die Abfahrtssteige in den Obergeschossen über Schwerlastaufzüge. Deren Motoren und Technik befindet sich in Überfahrten auf dem Dach. Auf der Zielebene angekommen fährt der Bus aus eigener Kraft auf den vorgesehenen Abfahrtsteig und der Motor kann abgestellt werden. Sobald der Bus den Aufzug verlassen hat, schließt sich ein Rolltor, das als Absturzsicherung zwischen Fahrsteig und Aufzugschacht dient. Die Türen des Busses, bzw. des Fahrsteigs können geöffnet werden und das Boarding beginnt.  

- Konstruktion -
Zusammen mit dem technischen Ausbau ist es maßgeblich die Stahlskelettbau-Konstruktion, die die Erscheinung des Terminals prägt. Das Tragwerk ist modular gedacht und kann in seiner Längsrichtung nach Bedarf beliebig verlängert werden. Ein hohes Maß an Vorfertigung ermöglicht einen schnellen und ökonomischen Bauprozess. Feuerverzinkte Rundstützen und ein Raster aus Haupt- und Nebenträgern überführen die Lasten aus Decken, Ausbau und Verkehr in die Fundamente. X-förmige Verbände in der Fassade steifen das Gebäude gegen horizontale Lasten aus. Ähnlich wie in einem Bahnhof erscheint die vollkommene klimatische Kontrolle des gesamten Terminals als wenig sinnvoll. So ist die westliche Seite mit Busaufzügen und Fahrsteigen dem Außenraum zugehörig, Warte- und Erschließungsbereiche dagegen sind temperiert.

© Christopher Rotman

Semesterarbeit
Christopher Rotman mit Niklas Roth
 

RWTH Aachen

betreut durch
Prof. Hartwig Schneider, Dr. Christian Schätzke, Sophie Schulten