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3. Preis – Ferienhaus im Wasser

Julia Pfeffer und Sandra Rogosch | Hochschule für Technik Stuttgart

Abb.: Julia Pfeffer | Sandra Rogosch

Laudatio der Jury
Der Entwurf für eine Ansammlung von schwimmenden Ferienhäuser setzt sich intensiv mit dem Zusammenspiel von Architektur und Tragwerk im Raumumfeld „Wasser“ auseinander. Durch einen nahtlosen Übergang vom Ort über die Architektur bis zur Konstruktion wird durch spielerische Auseinandersetzung zwischen Stahlbau und Schiffsbau dem Auslobungsanspruch nach „fortschrittlichen und zukunftsweisenden Ideen und Lösungen“ für den Baustoff Stahl Rechnung getragen. Die Arbeit zeigt über den Hochbau hinaus weiterreichende Anwendungsfelder auf.
Die Jury


Entwurf 
Die Aufgabe bestand darin 5 Ferienhäuser im/auf/über dem Wagbachsee zu entwerfen und mit gesondertem Schwerpunkt auf das Tragwerk zu planen. Die örtlichen Begebenheiten und besonderen Chancen haben wir genutzt und zum Thema gemacht. Die Auftriebskraft zu nutzen und die Nähe zum Wasser herzustellen und somit ein schwimmendes Ferienhaus zu entwerfen, welches optimal auf die Bedingungen und Anforderungen eingeht, war unser Ziel. Um Konstruktion und Raum in Einklang zu bringen, sollte der Schwimmkörper sowie der bewohnte Raum einer Formensprache unterliegen. Ein schwimmendes Haus in Form eines Ringes kann den Wasserdruck besonders gut aufnehmen und die gewünschte ruhige Lage im Wasser erzielen. 


Abb.: Julia Pfeffer | Sandra Rogosch

Außerdem entsteht durch die Ringform ein außergewöhnlicher Raum, welcher als Ferienhaus eine spannende Abwechslung zum Alltag bietet. Die gewünschte Privatsphäre einerseits und der Rundumblick über den See andererseits, sind durch die Form optimiert. Aufgrund der direkten Nähe zur Natur wird auf einen adäquaten Freibereich besonderen Wert gelegt. Ein Teil des Ringes wird daher als Terrasse und Zugang genutzt. Diesem Freibereich steht eine besondere Bedeutung zu, denn man kann ihn, aufgrund eines drehbaren Fußbodenbereichs, mit jeder Nutzung erleben. Die starke Aura des runden und somit ungerichteten Gebäudes bedingt eine städtebauliche Anordnung der Ferienhäuser inmitten des Sees. Der Gast, der am Hotel empfangen wird, erreicht sein privates Ferienhaus somit über ein ihm zur Verfügung gestelltes Boot. 

Das Tragwerk unterstreicht die Einheit aus Schwimmkörper und Raum. Das Tragwerk, welches sichtbar im Innenraum erlebbar ist, unterstützt durch seine Richtung, horizontale und vertikale Träger, die Form des Ringes. Die sehr klare Tragstruktur erlaubt lediglich an besonderen Stellen eine Unterbrechung. Dies wird in Form eines gerahmten Ein- wie Ausgangs in den Ring, sowie zu dem Innenpool gestaltet. 

Mit diesem Entwurf wird der Ort, die Konstruktion und der erlebbare Raum in Einklang gebracht.

Tragwerk
Das schwimmende Gebäude in Form eines Ringes hat eine einheitliche Tragstruktur. Das Gebäude sowie das Tragwerk sind so konzipiert, dass ein Teil des Gebäudevolumens eintaucht und durch die Wasserverdrängung die nötige Auftriebskraft entsteht. Aufgrund der Form und des Eigengewichtes liegt das Gebäude ruhig im Wasser und ist komfortabel zu bewohnen. Das Tragwerk besteht aus einer Stahlkonstruktion, die aus scharfkantigen laser-geschweißten T-Profilen gefügt ist. 

Die Form des Ringes entsteht durch das Zusammenfügen von vertikalen und horizontalen Ringen. Die vertikalen Ringe sind durchgehende T-Träger, die so gekrümmt sind, dass ihre Stege radial zum Raummittelpunkt ausgerichtet sind. Die horizontalen Ringe bestehen aus einzelnen T-Trägern, welche jeweils zwischen die vertikalen Träger geschweißt werden. Die Verbindung an jedem Kreuzpunkt wird biegesteif hergestellt, so dass die Konstruktion ohne zusätzliche Aussteifungen, rein durch ihre Ring-Form, in sich steif ist. Auch die horizontalen Ringe sind so geformt, dass ihre Stege radial Richtung Raummittelpunkt zeigen. Die Ausrichtung der Stege und Flansche ermöglicht durch eine breite Auflagefläche die optimale Befestigung der Hülle am Tragwerk. 

Die Hülle wird in einzelnen Panelen hergestellt, die an den Flanschen befestigt werden. Das Tragwerk trägt somit die Hülle, nimmt die Kraft des Wasserdruckes auf und trägt gleichzeitig den eingebauten Boden. Der Boden wird durch zusätzliche T-Träger getragen, die im selben Raster wie das Haupttragwerk angebracht sind. Die darauf liegende bewehrte Betonplatte aus Fertigteilen muss somit maximal 2,10m überspannen und kann daher einen reduzierten Querschnitt haben. Das Tragwerk und die Form bedingen einander und gehen optimal auf die Anforderungen des schwimmenden Ferienhauses ein.

Haustechnik / Energiekonzept 
Die Haustechnik und das Energiekonzept nutzen optimal die vorhandenen Bedingungen. 

Das Frisch- und Abwasser Management erfolgt über Tanks im inneren des Schwimmrings. Diese Tanks werden von einem „Versorgerboot“ befüllt und abgesaugt. Das benötigte Warmwasser wird mit Durchlauferhitzern in der Dusche sowie in der Küche erzeugt. 

Das Heizsystem bedient sich der vor Ort vorhandenen Ressource, dem Wasser des Sees. Mit einer Wasser-Wasser-Wärmepumpe mit Sonden in 50 Metern Tiefe wird die nötige Vorlauftemperatur für die Flächenheizung erzeugt. Diese ist integriert in der Hülle in Form von GFK-Elementen mit integrierten Heizflächen. Zusätzlich befinden sich in diesen Elementen PCM-Einlagen (Phase Change Material) um die thermische Masse des Gebäudes zu begünstigen. Die thermische Masse bildet zudem der Fußboden aus Fertigteil-Betonplatten. 

Aufgrund des nicht optimalen A/V-Verhältnisses, welche die Form des Schwimmrings mit sich bringt, wird auf eine gut funktionierende Hülle besonderen Wert gelegt. Die Hülle setzt sich aus drei verschiedenen Elementen zusammen; 1. Fensterelemente mit GFK Rahmen, 2. Elemente aus transluzenter Wärmedämmung in GFK gefasst, 3. opake GFK-Module mit PU-Dämmstoff(d=20cm) mit integrierten Heiz- sowie PCM-Elementen. 

Solare Gewinne erfolgen über die Fensterflächen in der gekrümmten Hülle, sowie über die vertikalen Fensterflächen zum Terrassenbereich mit einer Süd-West Orientierung. Um das Gebäude vor Überhitzung zu schützen, handelt es sich bei den Fenstern um schaltbare Gläser, die manuell transluzent geschaltet werden können, um den U-Wert zu verbessern und zusätzlichen Sichtschutz zu bieten. Der Terrassenbereich kann mit seitlich herausschiebbaren Sonnensegeln verschattet werden. 

Die Lüftung des schwimmenden Ferienhauses erfolgt über die Terrassentüren sowie über ein kontrolliertes Be- und Entlüftungssystem. Das Wasser trägt positiv dem Raumklima bei. 

Das schwimmende Ferienhaus wird lediglich durch eine Leitung, die durch das Wasser geführt wird mit Strom versorgt. 


Abb.: Julia Pfeffer | Sandra Rogosch

Julia Pfeffer mit Sandra Rogosch

Hochschule für Technik Stuttgart
Prof. Dipl.-Ing. Gerd Gassmann
Prof. Dipl.-Ing. Stefan Zimmermann