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Erweiterung der Zentralmensa der Universität Kassel

Werner Huthmacher

AUSZEICHNUNG

Architekt: augustinundfrank architekten, Berlin

Laudatio
Die Erweiterung der Zentralmensa der Universität Kassel wurde durch eine herausragende Entwurfsidee gelöst. Der Anbau musste unter Beibehaltung des laufenden Mensabetriebs und besonders der Anlieferung erfolgen. Getragen und eingefasst von zwei geschosshohen Stahlfachwerkbindern spannt der zusätzliche Speisesaal über die Anlieferzufahrt hinweg.

Das Erscheinungsbild ist konsequent aus der Lösung der Aufgabe heraus entwickelt. Der Speisesaal erhält durch den kraftvollen, stählernen und zugleich leicht schwebenden Ausdruck eine Identität stiftenden Anmutung.

Die Stahlfachwerke dominieren den Speisesaal auch im Inneren und lassen durch ihre ungleiche Strebenstellung jegliches Dekor überflüssig werden. Wenige technische Einbauten unterstreichen den technoiden Habitus ohne atmosphärische Kälte aufkommen zu lassen. Die Klarheit des Raumes überzeugt ebenso wie die stringente Umsetzung der Entwurfsidee bis ins Detail.

Erläuterungsbericht von augustinundfrank architekten Berlin:

Das Projekt ist aus einem mehrphasigen Wettbewerbsverfahren hervorgegangen und ist der erste von mehreren Erweiterungsbauten der Universität Kassel am Standort Holländischer Platz. Die bestehende Mensa aus dem Jahr 1986 wurde um einen zweiten Speisesaal mit 430 Sitzplätzen und um Büro und Sozialräume erweitert.

© Werner Huthmacher

Die bestehende Speisenausgabe wurde wesentlich vergrößert und durch einen Free Flow Bereich ersetzt. Die Zentralmensa rückt im Zug der Neuordnung des Universitätsgeländes aus ihrer ursprünglichen Randlage in eine zentrale Position in der sich der Wirtschaftshof als Erweiterungsfläche in besonderer Weise angeboten hat. Über diesen Wirtschaftshof spannt der neue Speisesaal als brückenförmige Stahlkonstruktion und öffnet sich zum benachbarten Bachlauf der Ahna. Das Bestandsgebäude einschließlich des Wirtschaftshofs steht mit einer weißen Wanne im Grundwasser und überragt aus Gründen der Auftriebssicherung mit dem Niveau seiner Nutzflächen das umgebende Gelände um 1,4 m bis 2,4 m. An diese Höhen schließen die Erweiterungsflächen an und sind, bis auf wenige stützende Bauteile vom Boden abgehoben. Die beiden Hauptträger der Stahlkonstruktion des neuen Speisesaals wurden auf einem separaten Bauplatz auf der gegenüberliegenden Straßenseite, aus vorgefertigten Einzelteilen zusammengesetzt und vor Ort verschweißt. Die fertigen Fachwerkträger wurden in zwei Arbeitsschritten mit Autokränen aufgerichtet, über die Straße gehoben und auf ihre Auflager gesetzt.


Um die Mensa bei laufendem Betrieb umbauen und erweitern zu können wurden die neuen Bauteile unabhängig vom bestehenden Gebäude errichtet und erst zum Ende der Bauzeit durch große Öffnungen in den Außenwänden mit dem Altbau verbunden. Mit Hilfe der Stahlkonstruktion ist es nicht nur gelungen den Wirtschafts- und Anlieferungshof stützenfrei zu überspannen, sondern auch im Innenraum eine signifikante und einzigartige Raumidee zu verwirklichen.

Webcam Zeitraffer-Aufnahmen zum Aufbau der Stahlkonstruktion


Im Zug der Neuordnung und Ergänzung der haustechnischen Anlagen wurde die Außenluftzuführung neu geordnet. Mit der Vorgabe, auf eine mechanische Raumluftkühlung zu verzichten, wurde an Stelle der bisherigen Luftzuführung über Dach ein zentrales Außenluftbauwerk in der Uferböschung der Ahna errichtet. Dort nutzen wir in den Sommermonaten die durch Verschattung und Verdunstungskälte deutlich kühlere Außenluft. Diese einfache Maßnahme hat sich im laufenden Betrieb sehr gut bewährt.

Fertigstellung
2013
Architekt
augustinundFrank architekten, Berlin
Ingenieur
LAP Leonhardt Ändra und Partner, Berlin
Bauherr
Universität Kassel