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Erweiterung Friedrich-Ludwig-Jahn-Schule, Wiesbaden

Foto: Thomas Nutt

Erläuterungstext von grabowski spork architektur

Bei den Umbau- und Sanierungsmaßnahmen wurden neue Klassen- und Betreuungsräume im Innenhof der Schule ergänzt und eine neue Mensa in den Bestand integriert. Das Schulgebäude aus den 1970er Jahren liegt südlich der Innenstadt zwischen Rheinstraße und erstem Ring. Die markanten Außenfassaden stehen unter Ensembleschutz.

Die zusätzlichen Klassen- und Betreuungsräume wurden als bauliche Ergänzung vor die Obergeschossfassade in den Pausenhof gestellt. Der Stahl-Anbau lehnt dabei wie ein Raumregal an der Innenhoffassade des Schulgebäudes. Der Rücksprung im Erdgeschoss hält die Hoffläche frei von Bebauung und somit auch das im Innenhof gelegene DFB-Minispielfeld. In den beiden Obergeschossen sorgen farbige vertikale Lamellen für Sicht und Sonnenschutz. Außerdem bringt sie zusätzlich Farbe in den Schulalltag.

Foto: Thomas Nutt

Die neue Mensa wurde unter dem neuen Anbau in dem ehemaligen zweiten Zugang zum Hof integriert. Sie orientiert sich über durchlaufende Glasfassaden zu den beiden Schulhöfen auf der Straßenseite und im Innenhof. Durch die großflächig zu öffnenden Fassaden kann eine variable Veranstaltungsfläche geschaffen werden. Ein seitlich neben den Neubau angestelltes Fluchttreppenhaus wurde als zweiter baulicher Rettungsweg ebenfalls vor die Fassade angestellt. Die feuerverzinkte Stahlkonstruktion war Teil der umfassenden brandschutztechnischen Ertüchtigung der Schule.

Umsetzung
Die Baumaßnahme musste im laufenden Schulbetrieb umgesetzt werden. Die Flächen für die Erweiterung liegen zudem im schwer zugänglichem Innenhof der Schule und somit direkt angrenzend an die Unterrichtsräume. Daher wurden von den Architekten drei Varianten zur Konstruktion in Bezug auf die Anlieferung, die Geräuschentwicklung beim Bau und die technische Umsetzbarkeit geprüft: konstruktiver Ortbeton, Holzbau in Tafelbauweise und die schließlich umgesetzte Verbundkonstruktion aus einer verschraubten Stahlbau Tragkonstruktion und Fertigteil-Spannbetonhohldielendecken. Es sprachen von Beginn der Planungen an mehrere Faktoren für eine Stahlkonstruktion.

Der innen-liegende Schulhof ist für Autos und Baumaschinen nicht zugänglich Außerdem wird er zum Großteil durch ein DFB-Mini-Spielfeld besetzt, das es zu erhalten galt. Die Andienung der Baustelle hätte ausschließlich per Kran über den Bestandsbau oder händisch durch den verbliebenen Zugang an der Westseite erfolgen können. Das erforderte eine kleinteilige Anlieferung des Baumaterials. Betonpumpen und Verdichter schieden wegen der Lärmentwicklung und der Zugänglichkeit aus. Außerdem wäre im Vergleich zur gewählten Stahlkonstruktion eine Ausführung in Beton nicht so filigran möglich gewesen. Der Baugrund im Schulhof erwies sich zudem als nicht ausreichend tragfähig und ein kostenintensiver Bodenaustausch wäre bei einer Ausführung in Beton erforderlich gewesen. Eine Holzkonstruktion schied aufgrund der weiten Auskragung im Erdgeschoß wegen des bis knapp an die Fassade reichenden Spielfelds und der großen Stützweiten aus. Eine Ausführung in Stahl war daher der einzige und beste Weg, die gestalterischen Vorstellungen und die bautechnischen Zwänge des Grundstücks in einem gelungenen Bau zu vereinen.

Baustellenbetrieb
Leichte und in kleinen Einheiten verbringbare Einzelteile der Stahl-Konstruktion ermöglichten eine einfache und schnelle Anlieferung. Die verschraubte Stahlkonstruktion ließ eine Montage zu, die den laufenden Unterrichtsbetrieb nicht störte.

Tragkonstruktion
Aufgrund von Stahlbauteilen war eine schlanke Konstruktion mit geringen Bauteilstärken möglich. Dadurch konnten die Decken des Anbaus optimal an die bestehenden geringen Deckenstärken des Bestandsgebäudes angepasst werden. Bei der Ausführung wurde eine Verbundkonstruktion gewählt: Haupttragkonstruktion (Stützen/Hauptträger) in Stahl; Spannbetonhohldielen als Nebenträger aufgrund der erforderlichen Masse für optimalen Schall- und Brandschutz bei geringem Gewicht, die Fertigteile konnten mit dem Kran über das Dach gehoben werden.

Brandschutz
Das gesamte Tragsystem wurde raumhoch mit einer beidseitigen Gipsfaserplattenverkleidung brandschutzwirksam verkleidet. Der Zwischenraum wurde ausgedämmt, so dass außenliegend nur noch eine geringe Dämmstärke erforderlich war. Die äußeren Tragstützen wurden aufgrund der F90-Anforderung als Geilinger-Stützen (Verbundstütze außen Stahl, innen Beton) ausgeführt. Die Stahlummantelung garantiert zudem die geforderte Robustheit für den täglichen Pausenhofeinsatz.

Fassade
Eine handwerklich sauber ausgeführte Fassade der Fa. Küffner als vorgehängte, hinterlüftete Fassade aus stranggepressten Aluminiumprofilen in EV1 verkleidet den Anbau formschön und lässt ihn als eigenständige Form vor der Fassade stehen.

Fertigstellung
2016
Architekt
grabovski spork architektur, Wiesbaden
Bauherr
Landeshauptstadt Wiesbaden