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Frankie & Johnny

Jan Bitter

Auszeichnung

Erläuterungstext von Holzer Kobler Architekturen Berlin zur Einreichung beim 'Preis des Deutschen Stahlbaues 2018'

Frankie & Johnny
Der Name Frankie & Johnny steht stellvertretend für Studierende aus aller Welt, die zusammen an diesem einzigartigen Wohnort in Berlin leben.

Projekt
Aus rund 400, zu drei langgestreckten Riegeln gestapelten Module entstand und entsteht im Berliner Stadtteil Treptow das Studentendorf Frankie & Johnny. Die in COR-TEN Stahl gefertigten Module z.T. aus Überseecontainern und z.T. in Abmessung und Erscheinung als Frachtcontainern, leicht nach außen und innen geschobenen, schaffen eine prägnante, spielerische Architektur und erzeugen einen lebendigen und vielfältigen Ort für eine neue Form gemeinschaftlichen Wohnens. Die meisten High Cube Container 40´, mit einer Außenabmessung von 12,19 m x 2,90 m, wurden als Modulsystem vorgefertigt. Die Einheiten lassen sich zu mehrheitlichen Single- und Double-Units zusammenschalten.

© Jan Bitter

Im Herzstück des Ensembles zwischen den beiden zentralen Gebäudeteilen können die Studierenden auf Sitzpodesten im Erdgeschoss verweilen oder sich auf den Laubengang-Galerien unterhalten. Die kommunikative Zwischenzone ist ein Ort der Begegnung und des Austauschs, der zugleich als gemeinschaftlicher Balkon dient. Das kompakte zentrale Gebäude teilt das Grundstück in zwei Freiflächen mit unterschiedlichem Charakter. Neben den Aktivitäten- und Sportbereichen gibt es eine grüne Oase aus Wiesen und Bäumen. Die Außenräume werden zum zentralen Treffpunkt der Anlage. 

Konstruktion
Die Container werden auf Streifenfundamente aus Beton gestapelt, deren Fundamente lokal verstärkt sind. An den Knotenpunkten werden die High Cubes miteinander verbunden. Durch schalldämmende Polymerlager werden Körperschallübertragungen zwischen den Containern vermeiden. Die Fugen zwischen den Containern in den Fassaden werden winddicht geschlossen. Die Queraussteifung der beiden Enden offenen Container erfolgt über eine verstärkte Rahmenkonstruktion. Die Container-Reihen werden oben jeweils mit einem vollständig abgedichteten Dach abgeschlossen.

Die Laubengang- und Treppenkonstruktion ist eine von den Container-Baukörpern unabhängige Konstruktion.

Nachhaltigkeit
Zurecht wird Heutzutage viel über Nachhaltigkeit gesprochen – und manchmal folgen den Worten auch Taten – so wie bei uns. Von Anfang an war es uns wichtig, dass unser Projekt mehr ist als nur ein Studentenwohnheim oder ein Renditeobjekt. EBA51 geht verantwortlich mit Ressourcen um, leistet einen Beitrag für die nächste Generation von Fachleuten, ist ein Gewinn für seine Umgebung und ein Ort der Lebensfreude.

Soziale Nachhaltigkeit
Deutschland droht heute bereits ein Mangel an Fachkräften. Zwar sind die Studentenzahlen zuletzt gestiegen, doch wird noch oft viel zu wenig für das Wohlgefühl derjenigen getan, denen wir vermutlich einen Schuldenberg hinterlassen – und die Verantwortung, uns im Alter zu ernähren. Überfüllten Hörsälen an den Universitäten folgen notdürftige Unterbringungen – beides sorgt wohl kaum dafür, dass sich Studenten wohlfühlen und sich optimal auf ihr Studium konzentrieren können.

Auch die Nachbarschaft von EBA51 wird von dem Projekt profitieren. Eine sehr kurze Bauphase bedeutet eine deutlich geringere Lärmbelästigung als bei herkömmlichen Bauvorhaben. Hinzu kommt, dass mit EBA51 nicht einfach nur ein Bauwerk auf einem Grundstück entsteht: Es entsteht eine grüne Oase, die auch Begegnungsstätte zwischen Anwohnern und Bewohnern sein wird.

Nachhaltig für Berlin
Für viele Städte wird es zu einem wichtigen Standortkriterium werden, ob es ihnen gelingt, Studenten mit guten Bedingungen anzulocken. Was nutzt das beste akademische Personal, was ein Status als Eliteuniversität, wenn die Studenten in der Nähe keinen lebenswerten, bezahlbaren Raum zum Leben finden? Wie können wir die besten Köpfe aus anderen Ländern anlocken? Und welcher Student bleibt nach seinem Studium in einer Stadt, in der er sich nie wohl gefühlt hat?

EBA51 gibt einige Antworten und baut ein Studentendorf, dass auch für die zukünftigen Studentengenerationen attraktiven Wohnraum bietet – eine kommunikative Dorfstruktur inmitten der Großstadt.

Ressourcenschonend
Hinsichtlich Haltbarkeit und Instandhaltung ist die von uns gewählte Bauweise anderen Konstruktionen deutlich überlegen: Die Wände und das Dach, die später die Außenfläche des Gebäudes bilden, bestehen aus wetterfestem Corten-Stahltrapezblech. Auf dieser Oberfläche entsteht eine natürliche Rostschicht, die sowohl Isolation der Innenräume, als auch dauerhaften Schutz vor Korrosion bietet und dabei optisch reizvoll ist. EBA51 verfügt damit über eine Fassade, die man als nahezu unzerstörbar bezeichnen kann und die keiner periodischen Schutzanstriche bedarf – so spart EBA51 nicht nur finanzielle Mittel im Unterhalt, sondern auch Ressourcen.

Darüber hinaus verwandten wir teilweise ausrangierte und gebrauchte Containermodule wieder, was getrost als Recycling, die Königsdisziplin des ressourcenschonenden Bauens, bezeichnet werden darf.

Durch die thermische und schalltechnische Entkoppelung des Innenraums von der Außenhaut des Containermoduls sinkt nicht nur der Energieaufwand für die Beheizung der Container, es kommt auch zu einem wirkungsvolleren Schallschutz. Durch den Einbau von modernsten Glasmodulen für Fenster und Eingang, in die Belüftungselemente integriert sind, wird ein dauerhaft gesundes Raumklima herrschen, das auch Schimmelbildung wirkungsvoll verhindert.

Wärme und Strom für die rund 400 Einheiten des Studentendorfes liefert übrigens ein eigenes Blockheizkraftwerk.

 

Fertigstellung
2018
Architekt
Holzer Kobler Architekturen Berlin GmbH, Berlin
Ingenieur
Sellmann lngeniuere Partnertges. mbH, Hannover
Bauherr
Presto 46. Vermoegensverwaltung GmbH, Berlin