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Galerie Café Kapuzinergasse Düsseldorf

Michael Neuhaus

Bericht von Corneille Uedingslohmann Architekten

Der neue Eigentümer der Liegenschaft Kapuzinergasse 24 ist ebenfalls Besitzer der denkmalgeschützten Liegenschaft Flinger Straße 32 / Ecke Kapuzinergasse. 
Dieses historische Geschäftshaus mit seiner imposanten Natursteinfassade, welche mit stark hervortretenden Pilastern und Jugendstilelementen die gesamte Straßenecke charakterisiert, ist seiner ursprünglichen Nutzung entsprechend als Warenhaus vermietet. 
Der Mieter nutzt die Liegenschaft vom UG bis zum 2. Obergeschoss. 
Das Dachgeschoss mit seinem reizvollen Dachstuhl ist bisher ungenutzt geblieben. 

Die Liegenschaft Kapuzinergasse 24 hat das Potential geboten, die künftigen Nutzungen beider Immobilien durch Verzahnung zu verbinden – das Denkmal nachhaltiger zu nutzen und an dieser Stelle intensiver erlebbar zu machen. Es sollte durch das Wegnehmen des Bestandsgebäudes Kapuzinergasse 24 - ersetzt durch eine gläserne Fuge – freigelegt werden.
Der Bebauungsplan/die Altstadtsatzung sah eine geschlossene Bauweise mit einer Fassade im Stil der jeweiligen  Nachbarbebauungen vor, der Stahl- Glas- Bau an diesem Ort versprach erheblich größeres Potential.


Foto: Michael Neuhaus

Nutzung
Das Objekt wird als Galerie und Café genutzt. Die Galerie präsentiert sich hauptsächlich im Dachgeschoss des Denkmals. Das Café in der gläsernen Fuge kann als Entree fungieren und die spektakuläre Erschließung über den freien Aufzug an der Gebäudetrennwand beherbergen. Vom Café aus blickt man in die Parzelle, Kunst aus den Bereichen Mode und bildende Kunst wir auch hier schon adäquat präsentiert. Eine besondere Nutzung an diesem besonderen Ort.

Städtebau
Die Situation Altstadt ist geprägt durch ihr Netz aus engen Gassen. Wahrgenommen wird Sie aber zunächst von der durchkreuzenden, breiten, geschäftigen Flinger Straße. Erst von hier biegt man in das enge Netz ein. An unserem Standort ist dieser Übergang im Straßenprofil besonders. Nicht direkt an der Kreuzung Flinger Straße/Kapuzinergasse findet die Verjüngung statt, sondern erst nach ca. 40m, direkt vor der Liegenschaft Kapuzinergasse 24. 
Das Denkmal ist hier schon durch das besondere Straßenprofil betont. Die neue Bebauung unterstützt diese historisch gewachsene Situation durch weiteres „Freilegen“ des Denkmals.  

Architektur
Das vormals bestehende, lediglich zweigeschossige Gebäude ist durch eine gläserne Fuge ersetzt worden, welche die Höhensituation der Nachbarn aufnimmt. Im hinteren Bereich wird der Hof eingeschossig überbaut, das Dach wird an dieser Stelle intensiv begrünt. Da die rückwärtige Fassade ebenfalls gläsern ausbildet worden ist, wird die gesamte Parzelle erlebbar – „man schaut in die Altstadt hinein“ -  und eine imposante, historische, dreigeschossige Backsteinwand wurde somit sichtbar.  
Bei der Ausbildung der gläsernen Architektur wurde auf eine perfekte und schlüssige Detailausbildung geachtet. Sämtliche Dimensionierungen sind bereits im frühen Planungsprozess unter Mithilfe von Spezialisten verifiziert worden. Auch ist auf die Langlebigkeit und nachhaltige Wartung und Pflege großes Augenmerk gelegt worden. 

Ausführung
Die Konstruktion des Gebäudes bedient sich der Materialien Beton, Stahl und Glas.
Darüber hinaus werden einige Türen als Holzkonstruktionen und der Bodenbelag als Terrazzo vorgesehen, der Aufzug wiederum aus Stahl und Glas.

Der Glasbau bildet mit einer Front von ca. 5,60 Metern den Eingangsbereich zur Kapuzinergasse. 
Das Grundgerüst der Konstruktion stellen Bodenplatte und Giebelwände aus Sichtbeton dar; die Bodenplatte mit einer Dicke von 1,75- 2,80 m und die in der Bodenplatte eingespannten Giebelwände mit einer Dicke von 45 cm.

Die Glashülle des Gebäudes umkleidet diese neu errichteten Giebelwände, dies als vertikal geführter Abschluss zum Außenraum an der Ost- und Westseite des Gebäudes und als gefaltet ausgebildetes Satteldach in Glasfassadenkonstruktion.

Die Fassadenkonstruktion ist als Pfosten-Riegelkonstruktion aus raumseitig angeordneten Stahlprofilen in Verbindung mit systemgerechten Aufsatzprofilen für die Verglasung vorgesehen worden.

Als Tragprofile wurden Rechteckrohre nach statischer Anforderung gewählt, für die Fassadenriegel Rechteckrohre 200x100x7,1 mm, S235, für Traufprofil und Firstriegel  Sonderprofile aus S235. Die Rahmenkonstruktion ist geschweißt worden.

Die Systemkonstruktionen halten die konsequente thermische Trennung der raumseitigen Tragkonstruktion und der außenseitigen Verleistung der Isolierverglasung mittels Pressleisten und profilierten Dichtungen zur Anpress-Trockenverglasung ein, Falzraumbelüftung und Kondenswasserabführung werden durch das System gewährleistet.

Als Verglasung kommen Dreischeibenisoliergläser aus Sonnenschutzgläsern mit einer Gesamtdicke von ca. 60 mm zum Einsatz, die Scheibenzwischenräume sind Edelgas- gefüllt.
Der Ucw  der Fassade beträgt < 1,0 W/m²K.

Die Oberflächen aller Metallbauteile, Primärkonstruktion aus Rechteckrohren, Deckleisten der Fassadenkonstruktion, aber auch Metalltüren und Metallteile des Glasaufzugs sind mit anthrazitfarbenem Feinstrukturlack gepulvert bzw. nasslackiert worden.

Die Nutzfläche im Erdgeschoss beträgt etwa 94 m², die Nutzfläche im 3. Obergeschoss des Altbaus  beträgt etwa 287 m². Die reine Ausstellungsfläche der als Galerie genutzten Etage beträgt ca. 200 m².  
Die Erschließung der 3. Etage erfolgt über einen Glasaufzug aus dem Cafébereich im Gebäude Kapuzinergasse 24.

Im UG wird ein Lüftungsgerät für Zu- und Abluft mit Wärmerückgewinnung vorgesehen. 
Die Gesamtluftmenge dieses Kompaktlüftungsgerätes beträgt 1.650m³/h. 
Zuluft wird in den vorderen Café-Bereich mit Weitwurfdüsen eingebracht, Abluft wird über eine Schattenfuge in den Abluftkanal angesaugt.
Das Café verfügt außerdem über eine Fußbodenheizung, die bei warmen Temperaturen zur Kühlung herangezogen werden kann.

Fertigstellung
2015
Architekt
Corneille Uedingslohmann Architekten, Köln
Ingenieur
Ingenieurbüro Mitzenheim, Hückeswagen
Bauherr
Berthold Görgens, Köln

Berthold Görgens, Köln