Zum Hauptinhalt springen

Glaspalast Sindelfingen

Sanierung und Energiekonzept

© David Matthiessen

Text von Behnisch Architekten


Der Glaspalast Sindelfingen wurde zwischen 1974-1977 von Günter Behnisch & Partnern als reine Sportstätte errichtet und ist seitdem ohne große Baumaßnahmen in ständiger Benutzung. Die Halle wurde mehrfach erweitert und wird mittlerweile auch für Großveranstaltungen bis zu über 5.200 Personen genutzt. Im Februar 2016 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Nach über 40 Jahren war es notwendig, die Bausubstanz grundlegend zu erneuern und auf einen aktuellen, nachhaltigen Stand zu bringen. In die bestehenden Qualitäten der Halle sollten keine großen Eingriffe erfolgen. Ziel war es, den Charakter des Gebäudes beizubehalten, es aber dennoch qualitativ in die Moderne zu transformieren. Die Umbaumaßnahmen konzentrierten sich auf zwei Hauptpunkte und mussten in einer sehr kurzen Zeit durchgeführt werden. Das Dach wurde energetisch sowie bautechnisch optimiert und die Sheddächer, das namensgebende Element des Glaspalastes, wurden in ihrer Größe sowie in Optik, Energieeffizienz und Lichtqualität verbessert. Die Konstruktion wurde nicht verändert.
 

© David Matthiessen

Bei der Erneuerung des undicht gewordenen Daches war ein wichtiger Aspekt, durch Erhöhung der Dämmstärken eine energetische Verbesserung zu erzielen. Zusätzlich musste die fehlende Dampfsperre bei der Modernisierung ergänzt werden. Um einen möglichst geringen Energieeintrag in das Gebäude sicherzustellen, wurde nach eingehender Recherche eine weiße Folie aufgrund ihrer positiven Eigenschaften gewählt. Da die Halle ebenfalls als Versammlungsstätte genutzt wird, musste der Dachaufbau aus nichtbrennbaren Baustoffen ausgeführt werden. Der ausgewählte Dämmstoff Schaumglas wird größtenteils aus recyceltem Altglas erzeugt und kann die geforderten Eigenschaften erfüllen. Der Dachaufbau ist ein hinterlaufsicheres, vollverklebtes Kompaktdach, bestehend aus einer weißen FPO-Abdichtungsbahn mit bituminöser Unterlagsbahn. Die weiße FPO-Abdichtungsbahn kann durch ihren hohen Reflektionsgrad den Energieeintrag reduzieren.

In Zusammenarbeit mit der Firma Bartenbach ligthing design wurde für die Sheddächer nach einem Produkt gesucht, welches mehrere der benötigten Anforderungen miteinander verbindet. So war es für die Sheddächer ein wichtiges Kriterium, für ein optimales Ergebnis eine lichtdurchflutete Halle ohne störendende Blendwirkungen und Verschattungen für Sport und Veranstaltungen zu erhalten. Das verwendete Produkt ist eine gehärtete 2-fach-Verglasung, die mit Argon Gas sowie einer vollflächigen Kapillarschicht als zusätzlicher Sonnenschutz und lichtstreuendes Element im Glaszwischenraum gefüllt ist. Außerdem ist die Formatbreite des neu eingebrachten Glases im Vergleich zum Bestehenden verdoppelt. Diese Maßnahme soll Hitze- sowie Formatspannungen vorbeugen, die in den alten Gläsern ein immer wiederkehrendes Problem waren. Um eine vollflächige Verschattung zu erreichen, sind innenliegende Sonnenschutzelemente innerhalb der Sheddächer auf der Nord- und Südseite montiert.

Durch diese Maßnahmen wurde ein Ergebnis erreicht, welches ideale, schlagschattenfreie Lichtverhältnisse für Sport und anderweitige Veranstaltungen bietet, weitgehend ohne tagsüber zusätzlich Kunstlicht zu benötigen.

Fertigstellung
2016

Bauherr
Stadt Sindelfingen

Architekt
Behnisch Architekten