Zum Hauptinhalt springen

Kohlebunker am Kesselhaus München-Freimann

Florian Holzherr

Entwurfs-Baubeschreibung von Lederer-Piloty Architekten

Geschichtliches 

Bei den Resten des dem Kesselhaus südlich vorgelagerten Kohlebunkers handelt es sich um Relikte der 1917 eröffneten ehemaligen Bayerischen Geschützwerke Friedrich Krupp. 
Das Kesselhaus zusammen mit dem nördlichen Wasserturm und der südlichen „Zenithhalle“ sind die drei letzten noch erhaltenen Bauten aus der Zeit des 1. Weltkrieges. 
Architekt der Fabrikanlage für die Bayerischen Geschützwerke in München-Freimann war Theodor Fischer (1862 – 1938). 
Mitarbeiter war sein Schüler Oberbaurat Otto Ernst Schweizer (1890 – 1965)

Während das Kesselhaus mit seiner statisch einmaligen Stahlbinder-Konstruktion noch weitgehend erhalten ist, wurden die Stahlträger der Bedachung über dem Kohlebunker in den 90ern abgerissen. Verblieben sind die imposanten, raumwirksamen rauen Betonwände.
 

Foto: Florian Holzherr

Entwurfskonzept

Die vorhandene Struktur hat große Kraft; die Attraktivität  des „Rauen“ und „Rohen“ bleibt erhalten. Die wesentlichen räumlichen Elemente der Kohlebunker sind die Pfeiler-Struktur an der geraden Außenwand und die gekrümmte, geneigte Wand auf der gegenüberliegenden Seite. Diese Elemente sollten durch die Tragkonstruktion der Überdachung gestärkt und nicht übertönt werden. 

Der Entwurf sieht deshalb eine minimalistische Konstruktion vor, die die Gemäuer stützenfrei, zeltartig überspannt. Stahlträger mit transparenter, teilbedruckter  Foliendeckung  und seitlicher Verglasung bilden einen Witterungsschutz, der die Anlage in ihrem ursprünglichen Industriecharakter erhält. Die Stützen-Binderanordnung folgt in ihrer Figur der vorhandenen Raumgeometrie und nimmt Bezug auf die vorhandenen Restpfeiler. Die Stahlkonstruktion bildet einen spannungsvollen Kontrast zu der schweren und rohen Betonstruktur.

Die verglasten Seiten (Sonnenschutzglas im Süden und Westen) über den Betonwänden werden mit Lüftungselementen ausgestattet, um bei warmer Witterung durch großzügige Querlüftung die aufgeheizte Raumluft auf natürlichem Wege abzuführen. 

Fertigstellung
2018
Architekt
Lederer-Piloty Architekten, München
Ingenieur
Dipl.-Ing. Carsten Erchinger, Tuttlingen
Bauherr
Andreas Dünkel, Schemmerhofen