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Landmarke Duhamel - Das Saarpolygon

Jan Siefke

Bericht von pfeiffer sachse architekten, Berlin

Das Saarpolygon – ein Symbol für den Wandel einer Region

Das Saarpolygon ist ein Symbol des tiefgreifenden Wandels der saarländischen Industrielandschaft nach dem Ende der Bergbauära. Es erinnert an die jahrhundertelange Tradition des Kohlebergbaus und verweist zugleich auf die zukünftige Entwicklung der Region.
Als Landmarke auf der Halde Duhamel ist sie aus mehreren Kilometern Distanz sichtbar und ist zugleich ein Aussichtsturm mit Panorama-Blick in das umgebende Saartal.

© Steil Kranarbeiten

Der Steinkohlebergbau und die mit ihm verbundenen Industrien haben seit über 250 Jahren die Kulturlandschaft des Saarlandes entscheidend geprägt. Diese Epoche endete mit der Einstellung der Kohleförderung im Sommer 2012.
Aus diesem Anlass lobte die RAG AG einen (internationalen) Wettbewerb für eine Landmarke auf der 150m hohen Bergehalde Duhamel des ehemaligen Bergwerks Saar in Ensdorf aus:
Gesucht wurde ein „Zeichen für die über 250-jährige Bergbautradition an der Saar ... und für den erforderlichen Neubeginn und Strukturwandel danach“. Die Landmarke sollte ein „Identifikationspunkt für die Menschen an der Saar, die über so viele Jahrzehnte mit dem Bergbau eng verbunden waren, und zugleich ein Verweis auf die Zukunft, Erneuerung, Aufbruch und Transformation“ sein, „ein einprägsames Symbol..., das mit neuen Bildern eine neue Wahrnehmung der Bergbaufolgelandschaft stimuliert.“ (Auslobungstext Wettbewerbsaufgabe)

Aus dem internationalen Wettbewerb mit 147 eingereichten Arbeiten ging der Entwurf der Architekten Katja Pfeiffer und Oliver Sachse (pfeiffer sachse architekten) als Siegerprojekt hervor und wurde anschließend durch den Förderverein BergbauErbeSaar e.V. als Bauherrn realisiert.

Der Entwurf antwortet auf die Vielschichtigkeit der Aufgabe mit einer formal abstrakten Großskulptur aus Stahl, die mit Ihrer Höhe von fast 30m die Krone der Halde bildet. Das in der Aufgabenstellung liegende Thema des Wandels wird zum zentralen konzeptionellen Ansatzpunkt und Gestaltungsmotiv des Entwurfes:
Die Erscheinung der dreidimensional verschränkten Geometrie wandelt sich bei der Bewegung des Betrachters um das Haldenplateau und mit dem Wechsel der Lichtverhältnisse zwischen Tag und Nacht. Die Silhouette derLandmarke bildet dabei aus verschiedenen Blickwinkeln unterschiedliche Figuren, die z.B. mit Symbolen des Bergbaus, wie einem abstrahierten Schlägel und Eisen, einem Förderturm oder einem Tor in die Zukunft assoziiert werden können.
Die Lichtinstallation entlang der inneren Erschließung (Treppe und Aussichtsplattform) thematisiert den Wandel auf einer weiteren Wahrnehmungsebene: Während am Tag die klare, aus 3 Segmenten bestehende äußere Form der Landmarke dominiert, tritt nachts durch die Beleuchtung die innere Erschließungs-Geometrie der Landmarke hervor.

In ihrer Haltung zu Konstruktion und Materialität referenziert die Landmarke die Industriekultur. Ein Raumfachwerk aus verzinktem Profil-Stahl formt 3 röhrenartige Segmente: Zwei Pylone und einer Brücke. Die Pylone nehmen jeweils eine Treppenanlage auf, die eine in der Brücke liegende Aussichtsplattform mit Rundumblick erschließen.

Der Stahlbau besteht aus (größtenteils) Standard-T-Trägern die über geschweißte Knoten miteinander verschraubt sind. Treppen, Laufflächen und innenliegende Geländer sind aus  Stahlblechen gefügt um sie als innenliegende Skulptur sichtbar zu machen. Die außenliegenden Geländer sind aus Gründen der Transparenz aus Flachstahlrahmen mit eingeschweißten Quadratstäben gefertigt. Eine „Fassade“ aus Quadratrohrprofilen bildet die äußere Hülle der Landmarke und stellt somit die Wahrnehmung auch aus der Ferne sicher.
Alle Bauteile wurden im Werk komplett vorgefertigt, verzinkt oder beschichtet, und in Einzelteilen auf das Haldenplateau transportiert. Dort wurden sie auf dem Boden liegend verschraubt. Die Pylone wurden durch Kranmontage in drei Schüssen aufgerichtet. Die Plattform-Brücke wurde am Boden zunächst komplett vormontiert und mit vier Spezialkranfahrzeugen millimetergenau zwischen die Pylone eingebracht. Damit schloss sich die Gesamtform der Landmarke. Der Stahlbau ruht auf einem monolithischen Fundament das die beiden Pylone im Erdreich miteinander verbindet und welches in einem Arbeitsgang an einem einzigen Tag vergossen wurde.

Die Beleuchtung erfolgt über LED-Lichtbänder in den oberseitigen Profilen der innenseitigen Geländer. Von hier aus werden die Stahlbleche der Geländer sowie die Treppenläufe direkt angestrahlt und das Licht indirekt auf die Innenseite der Stahlkonstruktion reflektiert.

Höhe der Halde: 150 m über dem Saartal

Höhe des Bauwerks: 28m

Länge/Gewicht der Brücke: 40 m, 42 t

Durchmesser Stahlröhre: 5 m

Treppenanlage: 132/133 Stufen

Volumen/Gewicht:

Fundament: 600 m3 Stahlbeton / 1.500 t

Stahlkonstruktion insgesamt ca. 250 t

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Fertigstellung
2016
Architekt
pfeiffer sachse architekten, Berlin
Ingenieur
Gregull+Spang, Ingenieure für Tragwerksplanung mbH, Stahnsdorf
Bauherr
Förderverein BergbauErbeSaar e.V., Ensdorf/Saar

Stahlbau
Claus Queck GmbH, Düren