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Lob – Dombibliothek – Kurienhaus | Roncalliplatz, Köln

Patrick Knüppe | RWTH Aachen

Abb.: Patrick Knüppe

Lob

Laudatio
 

Die Aufstockung des Kurienhauses am Roncalliplatz in Köln mit einer Dombibliothek leistet einen interessanten Beitrag zu dem aktuellen Thema der Nachverdichtung. Trotz der Baumasse von vier weiteren Stockwerken fügt sich der Baukörper durch die zurückhaltende Gestaltung gegenüber dem Bestand behutsam ein.

Die gewählte Stahlbauweise ist eine adäquate konstruktive Antwort für die Bauaufgabe durch ihr vergleichsweise geringes Gewicht und die Möglichkeit, die Bestandsstruktur gleichmäßig zu belasten. Die Arbeit zeigt somit in gelungener Weise die Möglichkeiten des Stahlbaus für das Bauen im Bestand auf.

Die Jury

Das Kurienhaus in Köln gehört der römisch-katholischen Kirche und beherbergt neben einer Buchhandlung, die Dombauverwaltung, die Dombibliothek, das Domarchiv, Ausstellungsflächen (ehemalige Diozösanmuseum) sowie Wohn- und Büroflächen. Gelegen ist es in bester Lage unmittelbar neben dem römisch-germansichen Museum, dem Kölner Dom und dem Domhotel. Es ist Teil der neu geplanten via culturalis, welche in den kommenden Jahren städtebaulich in Szene gesetzt werden soll. Dabei steht das Kurienhaus besonders im Fokus. Bis vor kurzem wurde darüber diskutiert das Gebäude entweder unter Denkmalschutz zu stellen oder es abzureißen.
Bestandsmängel wie eine schlechte Belichtung und eine veraltete Gebäudetechnik spielten dabei eine wesentliche Rolle. Ergebnis der Diskussion war, das Kurienhaus abzureißen und stattdessen etwas neues, kulturelles zu errichten, das sich am ehemaligen Dombaupalais orientiert. Aus diesem Grund stellte sich die Aufgabe für mich als sehr spannend dar, durch eine Aufstockung und Umnutzung bzw. Revitalisierung des Kurienhauses zu schauen, wie man das Gebäude aufwerten und erhalten kann. Abgesehen davon wirkt der Baukörper in seinen Proportionen sehr gestaucht und könnte in seiner freistehenden Position mehr Höhe vertragen.

Abb.: Patrick Knüppe


Aufgrund der Diskussion und den im Bestand vorhandenen Nutzungen, liegt der Fokus der Aufstockung in einer kulturellen Erweiterung und soll das Gebäude für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Die bisherigen Funktionen wie z.B. die Dombauverwaltung soll grösser und klarer definiert werden. Durch die Aufstockung soll eine repräsentative Dom Bibliothek  entstehen, die Besuchern offen steht. Es ist davon auszugehen, das die Dom Bibliothek eher ein kleineres Publikum anspricht, dies kommt jedoch der Bestandserschliessung zu gute, da weniger Besucher diese passieren.
Konstruktiv wird an die Bestandsstruktur angeknüpft und eine Skelettkonstruktion gewählt. Um eine gewisse Leichtigkeit und Tragfähigkeit zu erreichen wurde die Konstruktion aus Stahl gewählt. Hierfür wurden Lochträger und Verbunddecken verwendet. Ähnlich ist dies mit der Fassade. Diese besteht aus einer Pfosten-Riegel-Konstruktion aus Stahl und Aluminium. Sie interpretiert die Bestandsfassade in einer modernen Konstruktion. So werden die vertikalen Lisenen aufgenommen und durch eine zusätzliche Teilung verdichtet. Ferner werden die horizontalen Betonstreifen, welche im Bestand die unterschiedlichen Funktionsbereiche gliedern wieder aufgegriffen. Des Weiteren wird der Sonnenschutz, welcher in seiner Art schon an den Lisenen der Arkaden vorhanden ist in ähnlicher Form als Sonnenschutz für die Aufstockung verwendet.
Das aufgestockte und revitalisierte Kurienhaus bekommt dadurch einen repräsentativen und kulturellen Aufsatz und fügt sich somit gut in die Neuplanung der via culturalis ein.

Änderungen Grundriss Bestand
Durch die Umnutzung der Wohngeschosse im Bestandsbau zu einer reinen Büro bzw. Verwaltungsnutzung ergeben sich neue Grundrissstrukturen. Hierbei wurde das geöffnete Atrium als Gebäudemittelpunkt sowie Erschließungs- und Kommunikationszone ausgebildet. Die Büroräume liegen deshalb in einem äußeren Ring und erhalten durch eine innere Verglasung großzügig Licht über das Atrium wie auch über die kleinen Fassadenöffnungen.
Die grobe Zonierung der Geschosse ist dreigeteilt. In der mittleren Atriumzone befinden sich die vorhandenen Fluchttreppen sowie die Nebenräume. An den beiden Längsseiten ordnen sich die wesentlichen Räume des jeweiligen Geschosses an. Dieses Prinzip zieht sich durch bis in die Aufstockung. Lediglich das Erdgeschoss und das Untergeschoss folgen diesem Prinzip nicht. Stattdessen sind sie offener gestaltet und dienen einer öffentlichen Nutzung.

Erschliessungskonzept
Da das Gebäude durch die Aufstockung und Revitalisierung zwei verschiedene Funktionsbereiche besitzt, werden die vorhandenen Erschliessungskerne seperat genutzt.
Der nördliche Kern dient der Erschließung der Verwaltungsgeschosse, der südliche Kern wird für die Nutzung der Aufstockung verwendet. Dies gewährleistet eine bessere Kontrolle der Bibliotheksbesucher, im Bezug auf Entwendung von Bibliotheksmaterialien.
Beide kerne dienen im Brandfall als Fluchtwege und werden in der Aufstockung fortgeführt.

Belichtungskonzept
Der Bestand ist aufgrund seiner kleinen Öffnungen eher mäßig belichtet. um das äußere Erscheinungsbild nicht zu ändern, findet eine Öffnung des Atriums statt. Somit wird eine gute Belichtung gewährleistet und zusätzlich ein Kommunikationsraum geschaffen.
In der Aufstockung hingegen wird ebenso Wert auf eine gute Belichtung gelegt, weshalb dort außerdem die Aussenfassade großzügig verglast wird. Somit wird gezielt der Kontrast zwischen Bestand und Aufstockung unterstützt.

Gebäudegliederung
Die besonders exponierte Lage direkt am Kölner Dom bzw. an der domplatte bietet es an die unteren Geschosse für die Öffentlichkeit erschließbar zu machen. Darüber liegt  der Verwaltungsblock, in dem mehr Platz für die Dombauverwaltung sowie den anderen Funktionen innerhalb des Gebäudes geschaffen wurde. Man findet dort zusätzlich die Archiv- und Bibliotheksverwaltung und den Dom Verlag. Im Untergeschoss befinden sich ebenfalls öffentliche Nutzungsbereiche, da diese aufgrund der topografischen Lage rundum ebenerdig erschlossen werden können.

Aufstockung als innovative, nachhaltige Lösung
Das Thema der Aufstockung und Revitalisierung von Gebäude ist seit geraumer Zeit eine innovative Lösung, um eine umweltschonende Nachverdichtung zu erreichen. Anstelle von Abriss und Neubau wird hierbei lediglich das vorhandene Gebäude erweitert. Dadurch kann der vorhandenen Gebäudenutzung mehr Raum gegeben werden oder eine gänzlich neue Funktion hinzugefügt werden. Außerdem bietet es die Möglichkeit auf veränderte städtebauliche Situationen einzugehen und historisch geprägte Bauten zu erhalten, wie es am Beispiel des Kurienhauses zu erkennen ist. Neben diesen genannten Vorteilen bedeutet eine vertikale Erweiterung vorhandener Baustrukturen außerdem geringe Kosten sowie einen geringeren Materialverbrauch. Natürlich verlangt eine solche Erweiterung eine entsprechende Leichtbaukonstruktion, um nicht noch die Grundstruktur des Bestandes verstärken zu müssen.

Eine Gebäudeaufstockung ist also eine effektive Lösung mehr Nutzfläche zu generieren. Gerade in dicht bebauten Städten mit wenig freier Bebauungsfläche und akuten Wohnungsmangel ist es der bestmögliche Lösungsansatz.

Semesterarbeit
Patrick Knüppe

RWTH Aachen
betreut durch
Prof. Hartwig Schneider
Florian Henniges
Sebastian Papouchek