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Modularität: Wohnungsbau in Santa Monica

Erläuterungsbericht von Franziska Enderle und Friederike Henne zur Einreichung beim 'Förderpreis des Deutschen Stahlbaues 2018'

Der Entwurf behandelt einen Wohnungsbau in einem typischen Baublock in Santa Monica, einer an der Pazifikküste liegenden Stadt nordwestlich von Los Angeles. Das Grundstück befindet sich in einem dichten städtebaulichen Umfeld und soll unter dem Titel „Case Study 2020“ mit verdichteten Wohnhaustypologien bebaut werden. Das Entwurfskonzept soll dabei aus einer modularen und komponentenorientierten Bauweise entwickelt werden. Ziel des Projekts ist es, die Möglichkeiten einer modernen, verdichteten Wohnarchitektur unter weitgehender Nutzung moderner Vorfertigung zu untersuchen. Dabei werden unterschiedliche Wohntypologien in Kombination mit Arbeiten entwickelt, zudem spielt die Aufwertung des Außenraums, sowohl in privaten als auch öffentlichen und gemeinschaftlich genutzten Freiflächen eine wichtige Rolle. Auch die Unterbringung des ruhenden Verkehrs ist im Raum Los Angeles wichtiger Bestandteil der Entwicklung von Wohntypologien.

© Franziska Enderle | Friederike Henne

 

Das Thema einer weitgehend auf Vorfertigung basierenden Architektur soll Ausgangspunkt der Betrachtungen sein. Dabei wird eine Auseinandersetzung mit dem Thema der Modularität auf einer architektonischen und auf einer technologisch-konstruktiven Ebene gesucht.

Die städtebauliche Ordnung des Entwurfs orientiert sich an den benachbarten Baublöcken. Grundlage des Entwurfs ist der häufig zu findende Zeilentyp der fast ausschließlich in den Baublocks der Vorstadt zu finden ist. Die Gebäude ordnen sich in der für Los Angeles typischen Straßenrasterung an, welche durch Haupt- und Nebenstraßen definiert sind. Dabei dienen die Hauptstraßen zur Blockerschließung und Adressbildung, die Nebenstraßen werden für die Versorgung und eine fußläufige Erschließung genutzt. Der zu beplanende Baublock liegt zwischen der 5th und der 6th Street, mit einer guten Erreichbarkeit der Strandpromenade und umfasst etwa eine Länge von 200 m und eine Breite von 100 m.

Um sich städtebaulich einzugliedern, wird der Entwurf an den umgebenden Zeilen ausgerichtet und setzt sich aus zwanzig Wohnriegeln zusammen. DieZeilenstruktur ermöglicht einen verdichteten Wohnraum und generiert eine Zusammengehörigkeit des Baublocks. Das Konzept ist dabei die bestehenden Zeilenstrukturen aufzunehmen und dabei qualitativ hochwertigen Wohnraum zu schaffen, der auf die verschiedenen Bedürfnisse der Bewohner reagieren kann. Die Zeilen orientieren sich jeweils mit einer Seite zu einer privaten Stichstraße mit individuellen Abstellplätzen für PKW und mit der Rückseite zu einem privaten Garten. Durch die parallele Setzung der Zeilen wird eine bauliche Verschattung gewährleistet. An die mittig durch den Wohnblock verlaufende Nebenstraße gliedern sich Sport- und Grillplätze als gemeinschaftlich genutzter Außenraum an. An den Zeilenrändern werden öffentliche Nutzungen und Büro- und Gewerbeeinheiten angeordnet, so dass diese von der öffentlicheren Lage und einer zusätzlichen Zugangssituation über die Rückseite der Zeile profitieren können.

Jede einzelne Zeile besteht aus neun Reihenhaustypen, die jeweils aus einem Prototypen entwickelt werden. Dieser setzt sich aus einem tragenden dreigeschossigen Stahlskelett, mit einem Achsmaß von 4,60 m x 3,30 m zusammen, so dass sich eine Gesamtabmessung von 10,0 m x 4,6 m ergibt. Für das Stahlskelett werden beschichtete Quadratrohrstützen (10 cm x 10 cm) und IPE 200-Trägern (10 cm x 20 cm) verwendet. Die Fügung der Elemente übernimmt eine Kopfplatten an den IPE 200-Trägern, welche mit den Quadratrohrstützen verschraubt wird. Ausgefacht wird dieses Stahlskelett mit Dreischichtholzelementen aus Fichte, die sichtbar als Wand- und Deckenelemente eingesetzt werden. Die Fassade an den Kopfseiten des Gebäudes werden mit Pfosten-Riegel-System aus Aluminium gebildet. Hier kann individuell zwischen der Verwendung von Sandwichelement, Festverglasung, Öffnungselement und Lamellenfenstern gewählt werden. An den Pfosten der einzelnen Elemente wird eine Leiste mit Systemlochung angepresst, an der Sonnenschutzelemente (Aluminium) und Brüstungsstäbe angebracht werden können. Eine innenliegende Jalousie bietet zusätzlichen Sicht- und Blendschutz. 

Auch die Gärten der verschiedenen Wohneinheiten können mit einem anpassbaren Freiraumsystem individuell ausgestattet werden, so dass der Nutzer über die Verwendung von Sicht- und Sonnenschutz entscheiden kann.

Jedes der Reihenhäuser setzt sich aus einer eigene Konstruktion zusammen, die durch Aneinanderreihung eine homogene Zeile bilden. Ziel ist es dabei eine komponentenorientierte Bauweise zu entwickeln, die sowohl von außen als auch von innen ablesbar ist. Die Verwendung von vorgefertigten Elementen ermöglicht dabei eine schnelle Bauweise. Zum anderen verbindet die Kombination von Stahl und Holz die Vorteile beider Werkstoffe: Das Haupttragsystem aus Stahl wird möglichst schlank gehalten und kann auf der Baustelle schnell verbunden werden.Die Verwendung von Holz für die Ausfachung des Skeletts übernimmt die Wärmedämmung und sorgt für eine wohnliche Atmosphäre.

© Franziska Enderle | Friederike Henne

 

Das Erdgeschoss des Grundmoduls ist um die halbe Gebäudetiefe zurückgesetzt, wodurch eine überschattete Eingangssituation und eine Abstellmöglichkeit für einen PKW entsteht. Im Inneren befindet sich ein offener Eingangsbereich, der in einen Koch- und Essbereich führt. Über eine Kaskadentreppe erreicht man das erste Obergeschoss, hier liegt der Wohnbereich, welcher über einen Luftraum mit dem Erdgeschoss verbunden ist. Im zweiten Obergeschoss befinden sich neben den Schlafzimmern eine Loggia. 

Dieses Grundmodul kann in unterschiedliche Wohntypen umgewandelt werden, so dass durch die Addition oder das Weglassen von Lufträumen, Terrassen und Loggien Wohnraum für verschiedene Familiengrößen von ein bis vier Personen entsteht bzw. Büroeinheiten oder Werkflächen integriert werden können. 

Durch die Variabilität im Grundriss sowie der Gestaltung von Fassaden-, Sonnenschutz- und Gartenelementen werden die einzelnen Reihenhäuser für verschiedene Bedürfnisse nutzbar. Durch das Baukastensystem erfolgt eine Aneignung und Identifikation mit den Zeilen, die dennoch einen gemeinsamen, quartiersprägenden Ausdruck erhalten. 

Die unterschiedliche Grundrissgestaltung ermöglicht eine durchmischte Bewohnerstruktur und eine Verbindung von Wohnen und Arbeiten. Das System fördert durch die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten eine nachhaltige, zukunftsorientierte Wohnsituation, die an sich ändernde Bedürfnisse angepasst werden kann. Durch die leichte Konstruktion aus vorgefertigten Holz- und Stahlelementen und deren Steck- und Schraubverbindungen können die einzelnen Bauteile dekonstruiert und erweitert werden.

© Franziska Enderle | Friederike Henne

 

Dieses Projekt zeigt eine Neuinterpretation der typischen Bauweise in Santa Monica durch die Verwendung von modernen Konstruktionsprinzipien. Dabei entsteht qualitativer Wohn- und Freiraum unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse, um eine nachhaltige Architektur zu erzeugen.

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Semsterarbeit 
Franziska Enderle | Friederike Henne

RWTH Aachen
betreut durch
Dr.-Ing. Christian Schätzke