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Hochhausbau


Bauen von Hochhäusern ist in Europa, nicht zuletzt in Deutschland, lange Zeit ein nicht unbeträchtliches Reizthema gewesen. Und es ist umstritten geblieben. Zu Recht? Man muss – auf Deutschland bezogen, das Thema stellt sich weltweit- nicht bis in die Zeiten des „Frankfurter Häuserkampfes“ zurückdenken, um festzustellen, dass selbst Vertreter der eigenen Disziplin Hochhäuser nicht unbedingt so professionell beurteilen wie Mario Campi, der sich in einer Studie der ETH Zürich von der Komplexität der historischen und typologischen Entwicklungsmöglichkeiten von Hochhäusern fasziniert zeigt – und ihre zunehmende, weltweite Verbreitung auf den Strukturwandel des Urbanen zurückführt. Dabei müssen Bauformen und Typologien nicht unbedingt als demonstrativer Ausdruck des (inzwischen: digitalen) Kapitalismus gelesen werden. Sowohl in den Bauformen, den Türmen, als auch im konstruktiven Material, dem „Stahl der Originale“, stecken jahrhundertealte, stets wieder neu belebte Erfahrungen und kulturelle Muster, die sich in der gebauten Realität eine Form suchen: Typologien des Bauens in den Funktionen wie in der Repräsentation im Stadtraum, Werkstoffe als Möglichkeiten, diese Funktion wie deren Repräsentation überhaupt erst konstruktiven, strukturellen Ausdruck finden zu lassen.

Wird die Entwicklung neuerer Prototypen des Bauens von Hochhäusern etwas näher betrachtet, scheint sich ein experimentelles Feld einer Baukultur eigenen Kontextes zu entfalten, auf dem innovative Entwicklungen anhand unterschiedlicher Faktoren getestet werden können. Grundrissmanagement mit neuen, offenen Grundrissen steht zur Debatte.

Die Klima- und Energiefrage stellt sich für Hochhäuser auf neue Weise, nachdem avancierte Büros die aerodynamischen Verhältnisse an und in Türmen systematisch studieren. Natürliche Strömungsverhältnisse für natürliche Belüftung und Kühlung werden untersucht. Wintergärten gehen, über mehrere Geschosse konzipiert, als akustische, klimatische und ästhetische Pufferzonen in die Konzepte ein. Natürliche Belichtung gehört zu den grundlegenden Qualitäten, die wieder Beachtung finden.

Post Tower Bonn
Architekten Murphy/Jahn.



Der Gedanke innovativer Konzepte durchzieht das gesamte Bauwerk.
Die reduzierte Konstruktion aus Stahl und Glas verkörpert Leichtigkeit, Offenheit und Transparenz.

© Andreas Keller

Die traditionelle Hochhauskritik scheint – entgegen der Ausgangslage, dass der Bau von Hochhäusern immer wieder neu legitimiert werden muss,
eben durch Innovation und Optimierung – von der Hypothese auszugehen, die Typologie der Wolkenkratzer sei weder grundlegend veränderbar noch entscheidend optimierbar. Tatsächlich ist eine differenzierte Weiterentwicklung von Hochhaus-Konzepten der Zweiten Moderne zu beobachten.

Seit den sechziger Jahren setzte der Wandel von den reinen Stahl- zu den Stahl-Verbundkonstruktionen ein, die heute das Bauen in Nordamerika, im asiatischen Raum und in Europa prägen. Der Entwicklung von Stahl-Verbundkonstruktionen mit einem größeren  Anteil von Bauelementen, die industriell vorgefertigt und just-in-time zur Baustelle geliefert werden, scheint die Zukunft zu gehören.

 

Deckensysteme
Die Flachdecke in Stahl und Stahlverbund, nach dem sogenannten `Slim Flor`-Konzept ist eine neue Deckenbauweise mit Stahlträgern, die fast vollständig in die Betondecke integriert werden.

Die Haupttragstruktur ist eine Stahlkonstruktion, bestehend aus werkstattmäßig vorgefertigten Trägern und Stützen. Dadurch entsteht eine Skelettbauweise ohne störende Unterzüge, und man erhält eine größere Flexibilität bei der Raumaufteilung und der Installationsführung. Hierbei wird zwischen zwei Ausführungsarten der Stahlflachdecke unterschieden, der Ausführung mit Ortbeton und der Ausführung in Trockenbauweise.

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