Historische Bausubstanz, moderne Architektur und innovativer Stahlbau: Mit der umfassenden Modernisierung des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund ist ein außergewöhnliches Zusammenspiel von Vergangenheit und Zukunft entstanden. Das Projekt zeigt, wie sich historische Gebäude weiterentwickeln lassen und welche Rolle der Stahlbau dabei übernehmen kann.
Fünf Jahre wurde geplant, saniert und gebaut. Im Mittelpunkt stand dabei das spätgotische Katharinenkloster aus dem 13 Jahrhundert, das um drei neue Baukörper ergänzt wurde. Zudem wurde auch das gesamte äußere Erscheinungsbild harmonisiert und bestehende Gebäude mit den neuen Bauten verbunden.
Aus der Nähe bestimmen Materialien, Oberflächen und Strukturen die Wahrnehmung. Aus der Distanz tritt dagegen die reduzierte Geometrie der Baukörper in den Vordergrund. So ist ein architektonisches Meisterwerk mit einer klaren, einheitlichen Formensprache entstanden.

Meeresmuseum Copyright: Brigida González
Ausgezeichnete Architektur im historischen Bestand
Das perfekte Zusammenspiel aus historischer Bausubstanz und moderner Architektur überzeugte auch die Jury des Deutschen Stahlbaupreises. Das Komitee zeichnete daher das Stuttgarter Büro Reichel Schlaier Architekten für die Sanierung und Erweiterung des Meeresmuseums aus und verlieh den Preis des Deutschen Stahlbaues nach Baden-Württemberg.
Besonders würdigten die Preisrichter die gelungene Symbiose einer zeitgemäßen Nutzung mit den wertvollen historischen Bestandsgebäuden. Denn die Herausforderung lag nicht allein darin, neue Räume zu schaffen. Vielmehr galt es, moderne Anforderungen an Funktion, Tragwerk und Nachhaltigkeit mit dem sensiblen Umgang mit dem denkmalgeschützten Bestand zu verbinden.
Stahl als verbindendes Element
Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Stahlbau zu. Der Werkstoff bildet einen bewussten Kontrast zu den historischen Gebäuden und fügt sich gleichzeitig perfekt in das bestehende Ensemble ein.
Die Einsatzmöglichkeiten von Stahl sind dabei sehr vielfältig genutzt worden: Stahlbetonverbunddecken kommen ebenso zum Einsatz wie Bereiche in Stahlskelettbauweise. Im Brückenbereich übernehmen Fachwerkträger zudem tragende Funktionen.
Diese Kombination unterschiedlicher Konstruktionsweisen macht die Stärke des Projekts und des Werkstoffes sichtbar. Stahl ermöglicht es, auf die jeweiligen Anforderungen des Bestands zu reagieren und neue Strukturen dort zu schaffen, wo sie benötigt werden.
Nachhaltigkeit beginnt mit dem Bestand
Neben der architektonischen Qualität überzeugte die Jury auch der konsequente Umgang mit den Anforderungen an ressourcenschonendes Bauen. Dabei steht ein Grundgedanke im Mittelpunkt, dass bestehendes möglichst erhalten und weitergenutzt werden soll. Re-Use und Ertüchtigung sind deshalb ebenso Bestandteil des Konzepts wie Demontierbarkeit, ein effizienter Materialeinsatz und flexible Nutzungsmöglichkeiten.

Copyright: Meeresmuseum Stralsund
Bei der Modernisierung historischer Gebäude bietet dieser Ansatz große Chancen, denn der Erhalt vorhandener Strukturen spart Ressourcen und bewahrt gleichzeitig die Identität eines Ortes. Neue Bauteile können gezielt ergänzt und so geplant werden, dass sie auch zukünftigen Veränderungen Rechnung tragen.
Ein starkes Beispiel für den Stahlbau
Die Modernisierung des Deutschen Meeresmuseums zeigt herausragend, wie vielseitig Stahl eingesetzt werden kann. Der Werkstoff spielt dabei seine besonderen Stärken aus, nämlich seine filigrane Tragstrukturen, seine hohe Tragfähigkeit und die Möglichkeit, Bauteile lösbar und damit grundsätzlich rückbaubar zu konzipieren. Das eröffnet vielfältige Perspektiven für eine einzigartige Architektur.
Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund ist damit mehr als ein gelungenes Sanierungsprojekt. Es ist ein Beispiel dafür, wie historische Gebäude mit intelligenten konstruktiven Lösungen, nachhaltigem Denken und moderner Stahlbauweise für die Zukunft weiterentwickelt werden können.


