Redaktion: Was hat Sie zu bauforumstahl geführt, und wie sieht Ihre Arbeit im Team Technik aus?
Carrubba: Ich bin vor etwa zweieinhalb Jahren zu bauforumstahl gewechselt und komme ursprünglich aus der Stahlbaufertigung. Mit über zehn Jahren Erfahrung in der Stahlbauproduktion kann ich mich im Verband verstärkt praxisnahen Themen widmen. Im Team Technik unterstütze ich vor allem im konstruktiven Ingenieurbau und betreue unsere Mitglieder bei Rückfragen aus Fertigung und Montage, aber auch zu vertraglichen und baubetrieblichen Themen. Dabei nehme ich mir die Anliegen unserer Mitglieder zu Herzen, als wären es meine eigenen. Wenn ich einmal keine direkte Antwort habe, klären wir das im Team oder ich vernetze das Mitglied gezielt mit den passenden Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern aus unserem Netzwerk.

Redaktion: Welche Bedeutung hat die Normungsund Ausschussarbeit für die tägliche Praxis im Stahlbau?
Carrubba: Normungsarbeit ist die fachliche Entwicklung und Weiterentwicklung einheitlicher technischer Standards, von der inhaltlichen Erarbeitung über die Abstimmung mit den relevanten Akteuren bis zur Prüfung, ob eine Regelung in der Praxis sinnvoll anwendbar ist. Unser Ziel ist es, Qualität, Vergleichbarkeit und Verlässlichkeit zu schaffen. Die Ausschussarbeit rundet das ab. Hier treffen sich die relevanten Akteure, diskutieren und kommentieren die Entwicklung der Normung. Daraus entstehen nicht selten Themen für Forschungsvorhaben, die der Ausschuss dann begleitet. Ein Beispiel ist die DASt-Richtlinie 032 zu Injektionsschrauben, die aus einem Forschungsvorhaben hervorgegangen ist.

Redaktion: Sie sind auch in Ad-hoc-Gruppen tätig. Was unterscheidet diese von den regulären Ausschüssen?
Carrubba: Während sich ein Ausschuss mit übergeordneten Themen befasst, konzentriert sich eine Ad-hoc-Gruppe auf eine klar definierte, konkrete Aufgabenstellung. Ein gutes Beispiel ist die Ad-hocGruppe Bestellspezifikation, die dem Fertigungsausschuss zugeordnet ist. Sie entstand aus dem Bedarf, Einkäuferinnen und Einkäufern in Stahlunternehmen ein praxisnahes Dokument mit einem einheitlichen Standard für die Bestellung von Material und Zubehör an die Hand zu geben. So etwas lässt sich in regulären Ausschusssitzungen nicht leisten. Stattdessen arbeitet eine kleinere Gruppe mehrmals im Jahr gezielt daran, während der Fertigungsausschuss kontinuierlich über den Stand informiert wird. Ad-hoc-Gruppen entstehen in der Regel aus den Ausschüssen heraus, dort wird der Bedarf erkannt. Die Themen sind dabei für einen Großteil der Mitglieder relevant, es geht also nicht um Einzelinteressen, sondern um gemeinsame Fragestellungen aus dem Arbeitsalltag.

Redaktion: Welchen konkreten Mehrwert haben die Mitglieder von dieser Arbeit, und gibt es ein Beispiel dafür?
Carrubba: Ein sehr gelungenes Ergebnis aus der jüngeren Vergangenheit ist der Leitfaden des Arbeitsausschusses Brandschutz zur Anwendung reaktiver Brandschutzsysteme im Stahlbau. Die zugehörige Ad-hoc-Gruppe wurde Ende 2024 gegründet und hat 2025 in rund sechs Treffen einen praxisorientierten Leitfaden erarbeitet. Er greift wiederkehrende Fragestellungen aus der Praxis auf und schafft Klarheit dort, wo trotz bestehender Regelwerke Unsicherheiten bleiben. Genau diese Klarheit führt zu mehr Sicherheit in Planung und Ausführung, davon profitieren nicht nur die Stahlbauer, sondern ebenso Planerinnen und Planer, Architektinnen und Architekten sowie alle weiteren Beteiligten am Bau. Grundsätzlich gilt, wir bieten die Plattform und den Raum, um Ausschüsse und Ad-hoc-Gruppen zusammenzuführen und das Netzwerken im Stahlbau aktiv zu ermöglichen. Die Branche profitiert davon, dass alle Beteiligten ihre Herausforderungen gemeinsam angehen. Gemeinsam mit unseren Mitgliedern und für unsere Mitglieder entwickeln wir Lösungen, die in der Praxis umgesetzt werden.

Redaktion: Was würden Sie einem Mitglied sagen, das mit dem Gedanken spielt, sich in einem Ausschuss zu beteiligen, den Schritt aber noch nicht gemacht hat?
Carrubba: Ich würde sagen, trauen Sie sich. Man muss nicht alles wissen und nicht zu jedem Thema sofort etwas beitragen, das erwartet niemand. Was zählt, ist die Bereitschaft, die eigene Erfahrung aus dem Arbeitsalltag einzubringen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Genau diese Praxissicht macht die Arbeit in den Ausschüssen so wertvoll. Und sie macht Freude, denn man trifft auf Menschen, die dieselben Fragen bewegen. Wer dabei ist, bekommt fachlichen Austausch auf Augenhöhe, ein starkes Netzwerk und die Möglichkeit, die Regeln, mit denen wir alle täglich arbeiten, aktiv mitzugestalten. Aus meiner Erfahrung nimmt jede und jeder aus den Sitzungen mehr mit als zu Beginn erwartet. Wir freuen uns auf Sie!

Redaktion: Vielen Dank für das Interview.