
DSTV-Präsident Jan Birkemeyer, Joachim Gugolka, Laudatorin Prof. Natalie Stranghöner
In ihrer Laudatio zeichnete Prof. Natalie Stranghöner das Bild eines Menschen, der die Entwicklung des Stahlbaus mit großer Fachkompetenz, Verlässlichkeit und persönlichem Einsatz begleitet und mitgestaltet hat. Seit vielen Jahren engagiert sich Joachim Gugolka im Arbeitsausschuss Fertigung des Deutschen Stahlbau-Verbandes, dessen Vorsitz er seit 2014 innehat, sowie in der nationalen und internationalen Normungsarbeit.
Prof. Stranghöner beschrieb dabei eine Haltung, die sein Engagement über viele Jahre geprägt hat: „Joachim Gugolka war nie jemand, der das Rampenlicht gesucht hat. Er gehört zu den Menschen, die oft aus der zweiten Reihe heraus wirken: sachlich, verlässlich und mit einem klaren Blick auf die Sache. Genau diese Menschen sind es jedoch, die einen Verband tragen, die Entwicklungen voranbringen und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass andere auf einer soliden Grundlage arbeiten können.“
Anlässlich seiner Auszeichnung haben wir mit Joachim Gugolka darüber gesprochen, warum ihm das ehrenamtliche Engagement für den Stahlbau so wichtig ist, welche Entwicklungen die Branche in den kommenden Jahren prägen werden und was er jungen Menschen mit auf den Weg geben möchte, die heute ihre Karriere im Stahlbau beginnen.
Sie engagieren sich seit Jahren ehrenamtlich im Arbeitsausschuss Fertigung und in der Normungsarbeit. Warum war Ihnen dieser Einsatz immer so wichtig?
Ich fand den geleisteten Einsatz als wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des Stahlbaus. Nur durch die Zusammenarbeit und das Abwägen verschiedenster Meinungen und Interessen kann es einen Kompromiss geben. Nur wenn Fachleute aus den unterschiedlichsten Bereichen miteinander reden und ihre jeweilige Meinung einbringen, kann es eine Entwicklung geben.
Neben der Arbeit in den Ausschüssen ist das „Netzwerken“, das Miteinander und die Zusammenarbeit ein wichtiger Motivationsstein für die Arbeit in den unterschiedlichsten Gremien.
Ein weiterer Baustein ist die frühzeitige Erkennung von Tendenzen, die für das eigene Unternehmen wichtig sein können. Zu erfahren, dass es möglicherweise Veränderungen in den Vorschriften gibt, kann die Wettbewerbsfähigkeit und den damit verbundenen Erfolg, langfristig sichern.
Ganz nebenbei hat es auch Spaß gemacht mit verschiedenen Menschen zu Arbeiten und sich auszutauschen.
Welche Entwicklung wird den Stahlbau in den kommenden zehn Jahren Ihrer Meinung nach am stärksten prägen?
Wie schon in den unterschiedlichsten Beiträgen auf dem Stahlbautag 2026 zu hören, ist das Thema KI das für alle Bereiche überragende Thema. Hier wird es mit einer nie gekannten Entwicklungsgeschwindigkeit Veränderungen in allen Bereichen der Industrie und somit auch des Stahlbaus geben.
Ein weiteres großes Thema wird die Etablierung der Wiederverwendung von Stahlbauteilen, Re-Use, sein. Hier müssen Gesetze und Regeln geschaffen werden, um den Umgang mit den gebrauchten Teilen zu regeln. Hier sind unter anderem auch die verschiedenen Gremien der Normung und der Verbände gefordert.
Auch die Einführung höherfester Stähle im Bereich des Stahlbaus wird, meiner Meinung nach, in den nächsten Jahren an Wichtigkeit gewinnen. Hierzu gibt es schon entsprechende Regelwerke. Hier muss sich der Stahlbau bewegen, um weiterhin wettbewerbsfähig, auch im internationalen Vergleich, zu sein.
Welchen Rat geben Sie jungen Menschen, die heute ihre Karriere im Stahlbau beginnen?
Um eine erfolgreiche Karriere zu starten, muss neben der freiwilligen, überdurchschnittlichen Leistungsbereitschaft, eine nicht zu unterschätzende Neugierde für alle anstehenden Neuerungen und das ständige Schauen über den Tellerrand, in andere Bereiche, zwingend vorhanden sein. Dies gelingt besonders gut, wenn man sich in verschiedenen Gremien engagiert, wenn es auch eine zusätzliche Belastung darstellt.
Wenn es auch immer schwerer wird, in der heutigen Arbeitswelt, sollte der Faktor Mensch immer im Fokus stehen und auch entsprechend wertgeschätzt und genauso behandelt werden. Dies gilt im Umgang mit den eigenen Mitarbeitern, genauso wie mit Kollegen, Kunden, Lieferanten. Wer andere wertschätzt, wird auch selbst wertgeschätzt.
Vielen Dank für das Interview.


