Der Deutsche Stahlbautag gehört seit Jahrzehnten zu den zentralen Treffpunkten der deutschen Stahlbaubranche. Im September 2026 war es wieder soweit und der Kongress lieferte fachliche Weiterbildung mit dem Blick über das Tagesgeschäft hinaus. Technische Innovationen, neue Anforderungen an Planung und Ausführung, Nachhaltigkeit und Digitalisierung trafen auf Fragen nach Wettbewerbsfähigkeit, Führung und der Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland.
Foto 1 (Jan Birkemeyer, Präsident Deutscher Stahlbau-Verband) Jan Birkemeyer, Präsident Deutscher Stahlbau-Verband: „Was den Deutschen Stahlbautag für mich immer wieder besonders macht, sind die Menschen, die hier zusammenkommen. Viele unserer Unternehmen sind mittelständisch geprägt und stehen vor ganz konkreten Herausforderungen. Sie müssen wettbewerbsfähig bleiben, Fachkräfte gewinnen, neue Technologien sinnvoll einsetzen und gleichzeitig die Transformation bewältigen. Dafür braucht es gute Ideen, verlässliche Rahmenbedingungen und vor allem den Austausch miteinander. In Bielefeld haben wir erlebt, wie viel Wissen, Erfahrung und Tatkraft in unserer Branche steckt. Diese zwei Tage waren ganz besonders wertvoll und haben mir gezeigt, dass wir im Stahlbau gemeinsam viel bewegen können.“

Der 42. Deutsche Stahlbautag fand am 17. und 18. September 2026 in Bielefeld statt.
Den Auftakt setzte Prof. Dr. Bertold Meyer mit seiner Keynote „Arbeitswelt im Doppelwandel“. Seine Themen waren die Chancen und Risiken, die Künstliche Intelligenz und der demografische Wandel für mittelständische Unternehmen mit sich bringen. Damit griff der Deutsche Stahlbautag ein Thema auf, das weit über einzelne Technologien hinausgeht. Fachkräfte werden knapper, Arbeitsprozesse verändern sich und neue digitale Möglichkeiten stellen Unternehmen vor die Aufgabe, ihre Strukturen und Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln.
Technik, Forschung und Projekte aus der Praxis
Im Anschluss bot der erste Kongresstag drei parallele Vortragsreihen zu Normung und Forschung, innovativen Stahlbauprojekten sowie Wirtschaft und Recht. Das Spektrum reichte von der Zukunft der Eurocodes und neuen Möglichkeiten zur Stahlidentifikation für Re-Use und Retro-Fit über Korrosionsschutz und Verschraubungen im Stahlbau bis hin zu aktuellen Entwicklungen bei KI, Robotik und automatisierter Fertigung.
Wie leistungsfähig und vielseitig moderner Stahlbau ist, zeigten zahlreiche aktuelle Projekte. Vorgestellt wurden unter anderem die neue Elbebrücke der A14 bei Wittenberge, die Gottleubatalbrücke, der Fahrbahnplattentausch an der historischen Hängebrücke Köln-Mülheim sowie die moderne Fertigungsstätte für Schienenfahrzeuge in Berlin. Einen besonderen Blick über die deutschen Grenzen hinaus ermöglichte das begehbare Kreuz für die Sagrada Família in Barcelona. Auch der schnelle Hybridbau und die spätere Umnutzung von Gebäuden am Beispiel des Olympischen Dorfs Mailand-Cortina 2026 standen auf dem vielseitigen Programm.
Nachhaltigkeit blieb dabei ein wesentliches Thema. Fachbeiträge beschäftigten sich unter anderem mit der Bewertung von Ingenieurbauwerken, der CO₂-Reduktion im Brückenbau sowie mit technischen Voraussetzungen für Re-Use und Retro-Fit. Zugleich richtete sich der Blick auf die Transformation der Stahlindustrie selbst. Am Beispiel der Direktreduktionsanlage in Salzgitter wurde deutlich, welche Rolle der Stahlbau bei der Umsetzung großer industrieller Transformationsprojekte übernimmt.
Höhepunkt am Abend: Preisverleihungen
Am Abend gehörte die Bühne herausragenden Projekten und Persönlichkeiten des Stahlbaus. Der Preis des Deutschen Stahlbaues ging an Reichel Schlaier Architekten für die Sanierung und Erweiterung des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund. Mit dem Sonderpreis wurde die Erweiterung des Zentrums für Kunst und Urbanistik in Berlin von Peter Grundmann Architekten ausgezeichnet. Die Ingenieurpreise gingen an Dr. Gollwitzer – Dr. Linse und Partner für den Aussichtsturm Frankenwald sowie an INGE Schüßler-Plan und DKFS für die Brücke „Sprung über die Emscher“. Darüber hinaus ehrte der Deutsche Stahlbau-Verband Joachim Gugolka und Dr.-Ing. Dieter Reitz für ihre besonderen Verdienste um den Stahlbau.

Der zweite Veranstaltungstag richtete den Blick bewusst über technische Fragestellungen hinaus. Unter dem Leitthema „Wirtschaft, Führung und Resilienz“ ging es darum, wie Unternehmen auf wirtschaftliche Unsicherheiten, strukturelle Veränderungen und neue Anforderungen reagieren können.
Zum Auftakt diskutierte Alexandra Busch in ihrem Podcast „Architektourist“ gemeinsam mit Dr. Kati Herzog von Goldbeck, Dr. Martina Bender vom Institut Bauen und Umwelt e. V. (IBU) und Dipl.-Ing. Arno Sorger vom Österreichischen Stahlbau-Verband die Treibhausgasinventur im Bauwesen und die Frage, welche Konsequenzen sich daraus für die Wahl von Baustoffen ergeben. Prof. Dr. Henrik Müller vom Institut für Wirtschaftspolitischen Journalismus der TU Dortmund widmet sich anschließend der notwendigen Kehrtwende der deutschen Wirtschaft.
Weitere Impulse setzte Fregattenkapitän Tanja Merkl vom Marinekommando der Bundeswehr zum Thema Führung in herausfordernden Zeiten. Damit setzte der Strategietag auf unterschiedliche Perspektiven und Fragestellungen, die viele Unternehmen der Branche derzeit unmittelbar betrifft.
Foto 3 (Live-Podcast)
Netzwerk
Neben den Vorträgen bot die begleitende Fachausstellung an beiden Veranstaltungstagen Gelegenheit, sich über Produkte, Technologien und Dienstleistungen für den modernen Stahlbau zu informieren.
Vor allem aber blieb der Deutsche Stahlbautag das, was ihn seit vielen Jahren auszeichnet: ein zentraler Ort für den persönlichen Austausch und Netzwerk innerhalb der Stahlbaubranche.
Der 43. Deutsche Stahlbautag findet am 28./29. September 2028 in den Holstenhallen in Neumünster statt.
Foto 4 (Fachausstellung)
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