Seriell und modular heißt effizient, nicht monoton

Gregor Machura: Guten Tag Herr Birkemeyer, was zeichnet Ihrer Meinung nach das serielle und modulare Bauen aus und welche Missverständnisse gibt es seitens der Politik?

Jan Birkemeyer: Seriell und modular bedeuten wiederholbare Logik, skalierbare Systeme und die intelligente Kombination von Planung und Produktion. Das große Potenzial liegt darin, Geschwindigkeit und Wirtschaftlichkeit in den Bauvorhaben zu erreichen.

Das große Missverständnis hingegen, das dem seriellen und vor allem dem modularen Bauen anhaftet, lautet: „Das ist „Platte 4.0.“ Und das stimmt nicht: Die serielle Vorfertigung ermöglicht architektonisch überaus ansprechende Gebäude.

Wo hakt es in der Praxis?

Machura: Woran liegt es dann, dass diese schnelle, wirtschaftliche und attraktive Bauweise nicht viel mehr genutzt wird?

Birkemeyer: Zentraler Faktor ist der politische Wille. Der ist zwar grundsätzlich da, aber es hapert daran, die PS jetzt auch auf die Straße zu kriegen. Hier stoßen wir insbesondere auf föderale Grenzen: durch unterschiedlichste Landesbauordnungen und weil in jedem Bundesland baurechtliche Themen sehr unterschiedlich geregelt sind.

Außerdem müssen wir Vertrauen schaffen: Vertrauen in die Bauweise. Durch die immer wieder gleiche Produktion von Bauteilen – und das in geschützter industrieller Fertigungsumgebung – erreicht man eine ganz andere Qualität, als wenn man auf der Baustelle individuell immer wieder neue Lösungen entwickelt. Das müssen wir vermitteln.

Die Skalierung scheitert weniger an den Unternehmen als an Rahmenbedingungen und Akzeptanz.

Welche Rolle spielt der Stahlbau?

Machura: Sind serielles und modulares Bauen eigentlich „Produkte des Stahlbaus“?

Birkemeyer: Der hohe Vorfertigungsgrad ist historisch eng mit dem Stahlbau verbunden. Fertigen im Werk, montieren auf der Baustelle, diese Prinzipien sind im Stahlbau etabliert. Der Werkstoff Stahl bietet daher ideale Voraussetzungen für das System der modularen und seriellen Bauweise: hohe Tragfähigkeit bei geringem Gewicht, Transportfähigkeit, lösbare Verbindungen und Wiederverwendbarkeit.

Fazit: Was es jetzt braucht

Machura: Und was ist aus Ihrer Sicht jetzt erforderlich, damit sich diese Vorteile auch in der Praxis durchsetzen?

Birkemeyer: Damit serielles und modulares Bauen ihre Potenziale in der Breite entfalten können, müssen Praxis und Rahmenbedingungen konsequent zusammengedacht werden. Dafür benötigen wir: technologieoffene Ausschreibungen, Vergabeverfahren, die serielle und modulare Bauweisen zulassen, eine differenzierte politische Diskussion statt Gleichsetzung mit Plattenbau und schließlich gute Referenzen, die Vertrauen schaffen.

Machura: Herr Birkemeyer, vielen Dank für das Gespräch.