Erläuterungsbericht und Bildmaterial von Oliver Pordzik, Dunja Hirth und Madeleine Ell zur Einreichung beim Förderpreis des Deutschen Stahlbaues 2026

Thema

Mit einem neuen multifunktionalen Ausstellungs- und Veranstaltungszentrum ist für die HKA am Übergang zur Stadt ein signifikantes Gebäude als Eingang zum Campus zu entwerfen. Es soll ein Ort für Kongresse, Vorlesungen, Feiern, Workshops, Ausstellungen und vieles mehr sein, aber auch ein Ort für den interdisziplinären Austausch, für Forschung, Lehre und gemeinsames Lernen.

Das Raumprogramm umfasst einen großen Bibliotheksbereich. Neben einer stützenfreien Multifunktionsfläche soll auch ein kleines Café geplant werden sowie ausreichend Fahrradabstellplätze.

Als Material für das Tragwerk des Gebäudes ist Stahl vorgegeben.

Ziel des Entwurfs ist es, die verschiedenen Facetten des Bauens in einem Gesamtkonzept zu berücksichtigen. Dabei sind neben gestalterischen und funktionalen Fragen insbesondere auch Aspekte wie die Planung der Konstruktion, die Integration der Haustechnik, die Optimierung des Energiebedarfs, die Gewährleistung des Brandschutzes sowie die Innenraumgestaltung und die Beleuchtung zu bearbeiten.

Standort

Karlsruhe ist die drittgrößte Stadt in Baden-Württemberg und liegt im Oberrheingraben zwischen der Pfalz und dem Nordschwarzwald. Das Baugrundstück liegt unmittelbar am südlichen Haupteingang der Hochschule Karlsruhe und bildet damit den zentralen Auftakt zum Campus.

Das Grundstück grenzt im Süden an die Moltkestraße, einen der Strahlen der Fächerstadt. Gegenüber liegt die Pädagogische Hochschule. An den anderen Seiten befinden sich weitere Gebäude der HKA, wobei im Norden ein offener Platz zu finden ist. Aktuell ist das Grundstück geprägt durch die Baugrube eines ehemaligen Hochschulgebäudes.

Konzept

Das in dezentem Gold umhüllte Gebäude bildet mit seinem zentralen Atrium die neue Mitte des Campus der HKA. Das verglaste Erdgeschoss beinhaltet ein großzügiges Foyer und ein Café im Südosten.

Der große Veranstaltungssaal im Untergeschoss wird durch eine Galerie ergänzt. Von dort aus lassen sich Veranstaltungen mitverfolgen und Ausstellungen überblicken. Im Außenbereich bildet eine breite Sitztreppe mit vorgelagertem Platz einen neuen Treffpunkt.

Im ersten Obergeschoss befinden sich Büros und Besprechungsräume. Hier beginnt das zentrale Atrium, das Tageslicht in das Innere des Gebäudes bringt und eine visuelle Verbindung zwischen den einzelnen Ebenen schafft.

Die Bibliothek befindet sich in den zwei obersten Geschossen. Eine Sitztreppe verbindet diese miteinander und fördert den Austausch unter den Studenten. Sie kann auch als Hörsaal fungieren.

Fassade

Das Gebäude ist umhüllt von goldenem Streckmetall. Schmale, zu einer Seite öffenbare Elemente geben der Fassade eine einheitliche Struktur und lassen doch jede Seite anders erscheinen.

Mit einer Breite von 50 cm passen sich die Öffnungsflügel den Rasterabständen von 6 und 7 Metern an. Befestigt sind diese an einem Querriegel, der jeweils auf Deckenhöhe an den Trägern montiert wird. Dadurch ergibt sich oben und unten ein unbewegliches Band, das der gesamten Fassade einen Rahmen verleiht. Die geschosshohen Öffnungsflügel werden vor dem Querriegel befestigt, damit dieser von außen nicht sichtbar ist. Auch die Einteilung der Elementverglasung passt sich der Fassade an, so haben beispielsweise die öffenbaren Fenster das gleiche Maß wie die Öffnungsflügel der Fassade und sie befinden sich immer direkt dahinter.

Tragwerk

Das Gebäude basiert auf einem Tragwerksraster von 6,00 x 7,00 Metern. Da das Erdgeschoss allseitig um 2,50 Meter eingerückt ist, wird das Raster durch zusätzliche Achsen ergänzt. Die Haupt- und Nebenträger liegen in einer Ebene, wodurch der Überstand des ersten Obergeschosses in beide Richtungen einfach umzusetzen ist. Aufgrund der Lastabtragung bei der Auskragung wird an der Gebäudeecke in den Obergeschossen auf die Eckstütze verzichtet.

Die Aussteifung erfolgt über zwei Stahlkerne und schubsteif verbundene Hohlkastendecken, die abwechselnd zwischen Haupt- und Nebenträgern spannen. Die Aula im Untergeschoss wird von Fachwerkträgern überspannt, um eine stützenfreie Nutzung zu ermöglichen. Dort spannen die Hohlkastendecken nur zwischen den Nebenträgern, damit keine Streckenlast auf die Fachwerkträger wirkt und diese nicht biegebeansprucht sind. Im ersten Obergeschoss befinden sich im Norden zwei große Seminarräume. Um auch hier eine stützenfreie Nutzung zu ermöglichen, werden die betreffenden Träger durch eine Unterspannung verstärkt. Das Sheddach ist als Dreigurtbinder ausgebildet und überspannt das zentrale Atrium.

Lüftungskonzept

Die Lüftungszentrale der „Goldenen Mitte“ befindet sich im Untergeschoss, um auf dem Dach genügend Fläche für die Photovoltaikanlage bieten zu können. Die Lüftungskanäle werden in der abgehängten Decke so verlegt, dass alle Räume gut zu erreichen sind und Kreuzungen der Kanäle vermieden werden. Für die Lüftungskanäle wird ein rechteckiger Querschnitt mit dem Seitenverhältnis 2:3 gewählt. Die Querschnittsfläche ist abhängig von der jeweiligen Nutzung der Räume und dem Luftvolumen.

Eine Besonderheit stellt die Quelllüftung im Hörsaal dar. Dort wird von unten über die Sitzstufen Frischluft in den Raum geleitet. Dies sorgt für eine effiziente Belüftung und ein angenehmes Raumklima. Der große Veranstaltungssaal wird an den kurzen Seiten be- und entlüftet. Frischluft wird im Untergeschoss über die Wand zugeführt, die Abluft auf der gegenüberliegenden Seite in der Decke abgeleitet.

Optimierung der Energieeffizienz

In einem ersten Schritt wird die „Goldene Mitte“ mithilfe der Energieberechnungssoftware EnerCalc energetisch beurteilt, besonders in Bezug auf verbindliche Grenzwerte. Mit den Maßen von etwa 43 m x 50 m ist das Gebäude annähernd quadratisch und hat damit ein gutes A/V Verhältnis. Es wird mit dem bisherigen Entwurf ein Nutzenergiebedarf von 97,3 kWh/(m²a) und ein Primärenergiebedarf von 144,3 kWh/(m²a) erreicht. Diese Werte liegen bereits unter denen des Referenzgebäudes, sind aber trotzdem relativ hoch.

In einem zweiten Schritt wird die Energieeffizienz des Gebäudes verbessert und geprüft, welche Optimierungen wie viel Einfluss auf den Energiebedarf haben.

Im Rahmen der passiven Optimierungen wurde der U-Wert der Verglasung verringert, indem eine Dreifach- statt einer Zweifachisolierverglasung eingeplant wurde. Bereits dadurch konnte der Energiebedarf stark reduziert werden. Außerdem wurden vorhandene Wärmebrücken verringert, indem beispielsweise die Stege der Kassettenwand überdämmt wurden. Eine weitere Maßnahme war es, die Dämmung in Wand, Boden und Dach 4 cm dicker auszubilden und ein Dämmmaterial mit einem geringeren Lambda-Wert zu wählen. Dies hatte vergleichsweise wenig Einfluss auf den Energiebedarf. Die größte Verbesserung konnte mit einer über Präsenzmelder und Gassensoren gesteuerte Belüftung erreicht werden.

Mithilfe dieser passiven Optimierungen konnte der Nutzenergiebedarf um 22,5 % und der Primärenergiebedarf um 21,5 % gesenkt werden. Damit liegt das Gebäude bei beiden Werten etwa 25 % unter dem Referenzgebäude.

Im Rahmen der aktiven Optimierungen wurde anstelle einer Ölheizung eine Erdreichwärmepumpe installiert und eine Photovoltaikanlage eingerichtet mit einer Gesamtmodulfläche von 1250 m² und einer entsprechenden Leistung von 170 kWp.

Insgesamt konnte der Nutzenergiebedarf auf 75,4 kWh/(m²a) und der Primärenergiebedarf auf 50,6 kWh/(m²a) reduziert werden. Damit liegt die „Goldene Mitte“ beim Nutzenergiebedarf 22,5 % und beim Primärenergiebedarf 66,3 % unter den Werten des Referenzgebäudes.

Laudatio

Ausgezeichnet wird die Semesterarbeit „Goldene Mitte“, erarbeitet von drei Studierenden der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft. Betreut wurde die Arbeit an der Fakultät für Architektur und Bauwesen im Bereich Entwerfen/Konstruktiver Entwurf.

Bereits der Titel ist Programm.

„Goldene Mitte“ steht hier nicht für Kompromiss, sondern für Haltung – für das bewusste Ausloten zwischen städtebaulicher Einfügung und eigenständigem Ausdruck, zwischen konstruktiver Logik und architektonischer Präsenz.

Die Arbeit überzeugt zunächst architektonisch:

Der Entwurf ist klar strukturiert, sorgfältig proportioniert und bis ins Detail durchdacht. Jede Ebene, jede Fuge, jede konstruktive Entscheidung folgt einer nachvollziehbaren Idee. Es ist ein Projekt, das Ruhe ausstrahlt – weil es in sich stimmig ist.

Besonders hervorzuheben ist die städtebauliche Qualität.

Das Gebäude wurde sensibel in ein bestehendes Quartier eingefügt. Anstatt sich in den Vordergrund zu drängen, stärkt es den Ort. Die Sockelzone vermittelt geschickt zwischen öffentlichem Raum und Baukörper. Höhenstaffelungen und Ebenen reagieren präzise auf die Umgebung und schaffen eine selbstverständliche Einbindung in das städtische Gefüge. Hier wurde nicht nur ein Gebäude entworfen – hier wurde Stadt weitergebaut.

Konzeptionell zeigt die Arbeit eine klare Haltung zum Werkstoff Stahl.

Sie demonstriert eindrucksvoll, was mit dem Bauen in Stahl möglich ist – nicht als bloße Tragstruktur im Hintergrund, sondern als identitätsstiftendes Element. Die Konstruktion ist sichtbar, lesbar und zugleich integraler Bestandteil des architektonischen Ausdrucks.

Besonders überzeugend ist die werkstoffgerechte Umsetzung.

Die Materialien sind bewusst gewählt, ihre Eigenschaften konstruktiv genutzt. Stahl wird dort eingesetzt, wo er seine Stärken ausspielen kann: in Präzision, Schlankheit und struktureller Klarheit. Auch die Fassade ist konsequent in Stahl gedacht – nicht als Verkleidung, sondern als logische Fortsetzung des Tragwerks, als architektonisches Motiv, das innen wie außen verbindet.

Die Jury würdigt an dieser Arbeit insbesondere:

– die architektonische Durcharbeitung und gestalterische Qualität,

– die sensible städtebauliche Einbindung,

– die klare konzeptionelle Haltung,

– die werkstoffgerechte und konstruktiv überzeugende Umsetzung,

– sowie die selbstverständliche Integration von Tragwerk und Fassade.

„Goldene Mitte“ zeigt, dass gute Architektur nicht laut sein muss, um stark zu wirken. Sie entsteht dort, wo Entwurf, Konstruktion und Kontext im Gleichgewicht stehen.

Im Namen der Jury gratuliere ich den drei Studierenden der Hochschule Karlsruhe herzlich zu diesem Lob im Rahmen des Förderpreises des Deutschen Stahlbaues 2026.

Ihre Arbeit ist ein überzeugendes Beispiel dafür, wie reflektiert, präzise und zugleich selbstbewusst junge Planerinnen und Planer mit dem Werkstoff Stahl umgehen.