Erläuterungsbericht von Lojaen Shahoud zur Einreichung beim Förderpreis des Deutschen Stahlbaues 2026

ORT- UND AUFGABENSTELLUNG

Die Aufgabenstellung umfasst den Entwurf und die Planung eines Flussbades, mit begleitender Brücke über die Isar in Freising, die ich interdisziplinär betreut durch meinen Architektur- und Bauingenieurprofessor entwickelt habe.

Das Grundstück liegt an einer der natürlich entstandenen Sandbänke direkt am Isarufer in Freising, umgeben von unberührter Natur. Ziel ist es, ein Flussbad zu schaffen, das sich harmonisch in das natürliche Umfeld einfügt und von den Besucherinnen und Besuchern als naturschonende Bereicherung des Landschaftsbildes wahrgenommen wird.

Ein Symbol für das harmonische Miteinander von Mensch und Natur.

KONZEPT UND MATERIAL

Das geplante Flussbad soll ein Ort der Entspannung und Ruhe werden. Die architektonische Ausformung des Entwurfes wird inspiriert durch die Wellenbewegungen der Isar, was sich in den Ansichten und in den Grundrissen widerspiegelt. Wesentlicher Bestandteil des Konzeptes ist die Errichtung eines Cafés, einer Sauna und Umkleiden kombiniert mit einer Brücke, eingebettet in den Naturraum der Isarlandschaft. Die Planung achtet darauf, die bereits vorhandenen Bäume und die natürliche Flussböschung zu bewahren.

Diese drei Baukörper und die Brücke sind durch einen Steg miteinander vernetzt, der als Zugangs- und Aufenthaltsbereich für die Badegäste konzipiert ist. Die Brücke dient als Verbindung zwischen den Ufern der Isar und gleichzeitig als hochgelegener, Richtung Süden hin abgestufter, Aussichts- und Ruhepunkt.

Die Gebäudevolumen werden in lockeren Abständen entlang des Ufers aufgereiht und überwiegend in Holzbauweise ausgeführt. Die Brücke ist als Monocoque-Konstruktion, mit minimalem Materialeinsatz in Stahlbauweise, kombiniert mit Holzbrüstung und -bodenbelag, nachhaltig konzipiert ist. Die Fassaden- und Brüstungshölzer sind mit der Yakisugi-Methode (verbranntes Holz) veredelt und fügen sich durch ihre Erscheinung und Haptik gut in die Natur ein.

RAUM- UND WEGBESCHREIBUNG

Der Steg verfügt über mehrere Zugangspunkte. Die Zugänge befinden sich am Café und über die Brücke sowie am mittleren Gebäude, in dem sich auch die Kasse befindet.

Den Besucherinnen und Besuchern wird die Möglichkeit geboten, das Café über eine transparente Fassadenkonstruktion zu betreten, die sich zur Landschaft und zum Fluss hin öffnet und von der Brücke aus wahrnehmbar ist. Der Steg führt die Besucher dann weiter von der Brücke via dem Café, zum mittleren Gebäude mit den Umkleiden, bis hin zum hintersten Gebäude, der Sauna. A106

Die Privatsphäre nimmt vom öffentlichen Aussichtspunkt auf der Brücke, über das öffentliche Café bis zum abgeschiedenen Saunaareal hin zu und wird durch abgestufte Übergänge in den Terrassen und eine differenzierte Fassadengestaltung erlebbar gemacht.

Die Gestaltung der Außenbereiche konzentriert sich auf die Schaffung von verschiedenen Aufenthaltsmöglichkeiten mit vielfältigen Nutzungen wobei der Steg das Verbindende Element zwischen den verschiedenen Nutzungen ist.

Als Ruhebereiche zwischen den Gebäuden fungieren die Terrassen, die durch Brüstungen von den Rampen und Wegen abgeschirmt sind. Gegenüber den Umkleiden befindet sich eine zentrale Treppenanlage, abgestuft hin zum Wasser, welche den Badegästen einen direkten Zugang zur Sandbank und zum Fluss ermöglicht. Zusätzlich befinden sich, abgeschieden vom Flussbad inmitten der Natur, separat gelegen zwei kleine Stege die als Zugang und Ausstieg zum Fluss dienen. Diese Flusszugänge sollen gezielt die Interaktion der Badegäste mit dem Naturraum und dem Fluss fördern.

BRÜCKENKONZEPT

Die Brücke, welche die Ufer der beiden Stadtteile Freisings miteinander verbindet, dient nicht nur als eine Verbindung und Querung für die Bewohner über die Isar, sondern auch als Aussichts- und Ruhepunkt in die Flusslandschaft.

Aus zwei Ebenen bestehend, ist die Brücke in Richtung Süden hin abgestuft, um den Radverkehr von den Fußgängern zu trennen. Der Fußgängerbereich der Brücke ist über eine Rampe mit dem Steg des Flussbades verbunden. Die Brücke passt sich mit ihrer Wellenform sowohl visuell als auch strukturell in die Gesamterscheinung des Entwurfes ein und präsentiert sich aufgrund ihrer Form als elegant und filigran. Entlang des Fußweges auf der Brücke wird eine wellenförmige Sitzgelegenheit aus Holz konstruiert, auf der die Besucher verweilen und die Aussicht genießen können.

Bodenbelag und Geländer bestehen aus demselben Material wie der angrenzende Steg und erzeugen einen harmonischen Übergang zwischen den Bauwerken, der das Design des Flussbades ergänzt und erweitert.

BRÜCKENKONSTRUKTION

Die Brücke ist eine Balkenbrücke, in Monocoque-Bauweise ausgeführt, stützenfrei mit einer Spannweite von 60 Metern. Dabei handelt es sich um eine filigrane Stahl-Hohlkastenkonstruktion bei der die Versteifungselemente und Außenhaut kraftschlüssig miteinander verbunden sind, was zu einer hohen Materialeffizienz führt.

Konstruktiv ist die Brücke ein Einfeldträger und besteht aus einem mehrzelligen, torsionssteifen Hohlkasten in der Mitte, mit seitlichen Auskragungen für die Fußgängerebene und den Fahrradweg. Die Torsionskräfte werden über Auflagerquerträger vom Hohlkastenprofil in die Brückenwiderlager abgeleitet.

Der zu den Auflagern hin abflachende Brückenquerschnitt von 2500mm in der Mitte, bis 1000mm zu den Auflagern, verdeutlicht anschaulich den Kräfteverlauf am Rumpf und ermöglicht trotz hoher Spannweite material- und gewichtsparend zu planen.

Diese konstruktive Lösung mit geringem Eigengewicht und kleinen Auflagerkräften ist besonders wirtschaftlich und nachhaltig und verleiht der Brücke trotz ihrer großen Spannweite eine dynamische und elegante Wirkung.

Der Brückenkörper selbst besteht aus 25mm starken, miteinander verschweißten wetterfesten Stahlplatten. Zur Aussteifung verlaufen in Längsrichtung, entlang des kompletten Rumpfes Stahlrippen im Format von 200mm x 25mm. In Querrichtung sind in regelmäßigen Abständen von 3000mm x 25mm Querschotten angeordnet.

Um die Schweißverbindungen zum Schließen der Hohlkästen herstellen zu können wurde eigens ein Detail entwickelt. Vor dem Verschließen der Hohlkästen und dem Verbinden der Schotten, wird vorab ein T-Stück mit den Schottenwänden verschweißt, was es ermöglicht die Schweißnähte von außen zu setzen.

Der Oberbelag der Brücke besteht aus naturbelassener Lärche, 40mm stark und 200mm breit. Die darunterliegende Holzunterkonstruktion ist oberseitig abgedeckt und lagert punktuell auf Elastomeren, um eine gezielte Entwässerung zu gewährleisten. Die Wasserführung erfolgt weiter über ein Gefälle von 2% hin zu einer Aufkantung und wird mit Rohren durch den Brückenkörper geführt.

Der Handlauf ist aus naturbelassener Lärche gefertigt, 40mm rund, und ist an einer Stahlunterkonstruktion befestigt, die zugleich als Abstandhalter und Koppelung der Brüstungsstäbe dient.

Diese Brüstungsstäbe aus geflammter Lärche, im Format 100mm x 40mm, sind an Montageblechen befestigt. Die Zwischenhölzer sind analog zu den Brüstungshölzern montiert. Die Montagebleche sind alle 1000mm an Auslegern montiert, die mit dem Brückenkörper verbunden sind.

In der Mitte gehen die Brüstungsstäbe fließend in eine Sitzgelegenheit über, die ebenfalls aus Lärche gefertigt ist und von einer Stahlunterkonstruktion getragen wird.

Hier würde Ihr Inhalt stehen

RESUMEE

Mein Flussbad ist ein Beispiel für die harmonische Integration von Architektur und Natur am Ufer der Isar, das Nachhaltigkeit und Erholung in den Fokus stellt. Durch die sanfte Einfügung des Entwurfes mit seiner Brücke in die Flusslandschaft, steht das Projekt für umweltbewusstes Bauen und stärkt die Verbindung der Besucher und Badegäste zur Natur und zum lebendigen Element Wasser.

Laudatio

In hervorragender Art und Weise entwickelt die Verfasserin das Konzept einer innovativen Fuß- und Radwegebrücke mit Flussbad über die Isar in Freising.

Die Arbeit ist das Ergebnis einer Semesterarbeit einer Studentin der Hochschule München im Fachbereich Architektur. Beteiligt waren die Lehrstühle für Architektur, Baukonstruktion und Tragwerkslehre sowie für Bauingenieurwesen, Stahlbau und Baustatik. Bereits diese interdisziplinäre Verknüpfung zeigt sich in der Qualität des Entwurfs, der gestalterische, konstruktive und städtebauliche Fragestellungen in überzeugender Weise zusammenführt.

Besonders hervorzuheben ist die klare und zugleich innovative Tragwerksidee des Isarstegs. Durch die Aufteilung in einen getrennten Fahrrad- und Fußgängerweg auf unterschiedlichen Höhen entsteht nicht nur eine funktionale Gliederung, sondern zugleich eine effiziente und prägnante Tragwerksform des als Stahlhohlkasten wirkenden Brückenquerschnitts. Dabei richtet sich der tieferliegende Fußgängerbereich zum Flussbad hin aus und entwickelt daraus eine räumliche Qualität der Brücke, die weit über die reine Funktion des Überquerens hinausgeht. Der oben geführte Radweg und die darunter angeordneten Sitzgelegenheiten schaffen ein differenziertes Raumangebot und eröffnen neue Perspektiven auf den Flussraum und das Flussbad. So wird die Brücke nicht nur zu einem Infrastrukturbauwerk, sondern zu einem Ort mit erhöhter Aufenthaltsqualität und einem echten Mehrwert für den städtischen Raum. Das Brückenbauwerk bildet zusammen mit dem in hybrider Stahl-Holz-Konstruktion ausgebildeten Flussbad ein starkes Ensemble, das den Ort prägt und zugleich selbstverständlich in seinen Kontext eingebunden ist.

Ebenso überzeugend ist der nachhaltige Ansatz der Arbeit. Durch den Einsatz wetterfesten Stahls für den Isarsteg kann auf eine zusätzliche Beschichtung verzichtet werden, was den Unterhaltsaufwand reduziert und dem Bauwerk zugleich eine materialgerechte Erscheinung verleiht. Ergänzt wird dies durch naturbelassene Baustoffe aus Holz für Belag und Geländer, die den Entwurf in seiner Haltung unterstützen und eine angemessene Verbindung von Konstruktion, Materialität und Landschaft herstellen.

Mit dem geschickten Höhenversatz im Brückenbauwerk entsteht eine äußerst effiziente Konstruktion, die Tragwerk, Architektur und Städtebau in beispielhafter Weise verbindet und zeigt, wie Gestaltung, konstruktive Umsetzung und Nachhaltigkeit zu einem starken, identitätsstiftenden Ensemble zusammengeführt werden können. Der Entwurf zeigt eindrucksvoll das Potential des Baustoffes Stahl, in dem es durch die materialeffiziente Ausformulierung des Entwurfsidee veranschaulicht, dass Brücken nicht nur Wege über ein Hindernis sein müssen, sondern selbst zu qualitätsvollen Orten im Stadtraum werden können.