Wie wetterfester Stahl funktioniert

Wetterfester Baustahl bildet bei Bewitterung eine dichte und schützende Patina, die das Fortschreiten der Korrosion auf natürliche Weise verlangsamt. Diese äußere Schicht entsteht durch die spezielle Legierung aus unter anderem Kupfer, Chrom und Nickel und macht zusätzliche Beschichtungen oft überflüssig. Entscheidend für die Ausbildung der Patina sind ein regelmäßiger Wechsel aus Feuchtigkeit und Trocknung sowie eine gute Belüftung der Oberfläche. Die natürliche Schutzschicht reduziert nicht nur den Wartungsaufwand, sondern verleiht dem Material eine lebendige, warme Oberfläche, die sich harmonisch in urbane oder landschaftliche Umgebungen einfügt.

Patton Brücke in Luxemburg © Dillinger

Patton Brücke in Luxemburg © Dillinger

Nachhaltigkeit über den gesamten Lebenszyklus

Moderne Bauvorhaben werden längst nicht mehr nur nach Baukosten, sondern nach langfristiger Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit bewertet. Hier spielt wetterfester Stahl seine Stärken aus. Die entfallenden Beschichtungen reduzieren die Bauzeiten, die Kosten und auch die Ressourcen, während der Wartungsbedarf über Jahrzehnte hinweg minimal bleibt.

Lebenszyklusanalysen zeigen überzeugende Ergebnisse, denn wetterfester Stahl kann bis zu 7 % der Lebenszykluskosten einsparen und die externen Umweltkosten um bis zu 10 % reduzieren. Durch seine natürliche Alterung entsteht kein Schleifstaub, keine Schadstoffe und kein Sondermüll. Gleichzeitig bleibt der Werkstoff vollständig rezyklierbar und erfüllt damit zentrale Anforderungen nachhaltigen Bauens.

Im Brückenbau gehört wetterfester Stahl zu den zukunftsfähigsten Lösungen. Tragstrukturen, Verkleidungen und Geländer lassen sich dauerhaft ohne nachträgliche Beschichtung realisieren. Dies eignet sich besonders für schwer zugängliche oder sensible Standorte, an denen Sanierungsmaßnahmen große Eingriffe bedeuten würden.

Europäische Projekte wie die Carrington Bridge in Großbritannien, die Kuusijärvi Fußgängerbrücke in Finnland oder die erste Autobahnbrücke mit Arcorox in Deutschland zeigen, wie effizient und zugleich gestalterisch hochwertig wetterfester Stahl im Infrastrukturbereich eingesetzt werden kann.

Gut geplant und richtig angewendet

Die aktualisierte DASt Richtlinie 007 sowie der neue ECCS Design Guide bieten umfassende Empfehlungen zu Lieferung, Ausführung, Bemessung und  zu den konstruktiven Details. Im Zusammenspiel mit anderen Materialien wie Edelstahl oder verzinkten Komponenten sind ebenfalls klare Regeln notwendig, um galvanische Effekte zu vermeiden.

Wer frühzeitig plant und die konstruktiven Besonderheiten berücksichtigt, kann dauerhafte, wirtschaftliche und nachhaltige Lösungen realisieren, die über Jahrzehnte Bestand haben.

Titelbild: Copyright: ArcelorMittal Europe